Angstzustände bekämpfen und verstehen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Eine gute Nachricht vielleicht zuerst: selbst die schlimmste Angst- oder Panikattacke ist nach spätestens 30 Minuten vorbei. Ich weiß, dass hilft ihnen jetzt auch nicht weiter, aber es beruhigt etwas. Vielleicht finden Sie es auch beruhigend zu wissen, das selbst der Altmeister des Horrors Stephen King, sich selbst vor Monstern fürchtete, die unter seinem Kinderbett lauerten.

"Medizinisch" betrachtet, entstehen Angstzustände durch seelische und körperliche Konflikte ohne erkennbare, reale Bedrohung. Physiologisch dienen Angstempfindungen dem Schutz des Lebens, sie helfen Gefahren zu vermeiden und sind also erst einmal etwas Gutes - eigentlich...

Was sind Angstzustände eigentlich?

Angst ist eigentlich etwas ganz Normales und eine Schutzreaktion des Körpers, die einem das Leben retten kann. Aber gar nicht so selten entgleist dieser Schutzmechanismus und die Betroffenen wissen dann gar nicht mehr, wieso sie eigentlich Angst haben.

Angst in abgeschwächter Form kann auch ein Gefühl der inneren Unruhe, Nervosität oder Furcht ohne erkennbaren oder realistischen Grund sein. Angst kann, obwohl es ein natürliches Gefühl und Warnsignal ist, sehr belastend sein. Plötzliche Anfälle von Angst werden als Panikattacken bezeichnet.

Gemeinsam ist jedoch bei allen Angststörungen: Die Patienten haben vor Dingen eine starke Angst, die für "normale" Patienten völlig normal sind.

Angststörungen sind weiter verbreitet, als viele annehmen

Bei pathologischen Angstzuständen nehmen Angstreaktionen oder Panikattacken unnatürlich zu - zum Teil innerhalb weniger Minuten und aus heiterem Himmel.

Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, noch vor den Depressionen. Man schätzt, dass ca. 20 Prozent der Patienten einer Behandlung bedürfen.

Selten zeigen sich Angstzustände (die übrigens vermehrt bei Frauen auftreten), nach dem 45. Lebensjahr. So treten spezifische Phobien (z.B. Agoraphobie) mit einer Beteiligung an der Gesamterkrankungsrate von über fünf Prozent bereits im Kindesalter auf, generalisierte Ängste mit ebenfalls über fünf Prozent im Alter zwischen 20 und 30. Panikattacken zeigen sich mit ca. zwei Prozent vermehrt um das 30. Lebensjahr.

Meist liegen Angstzustände nicht isoliert vor, sondern lassen sich in Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen (z.B. Borderline-Syndrom) bringen. Die Entwicklung und Entstehung einer solchen psychischen Störung ist nicht immer leicht nachvollziehbar, besonders für Außenstehende.

Arten von Angstzuständen

Im Wesentlichen würde ich das in vier Arten klassifizieren:

  1. Angst vor bestimmten Orten (Agoraphobie) haben ca. 6% der Deutschen: Angst vor Menschenmengen, Aufzüge, U-Bahn, Flugzeug, usw.;
  2. Generalisierte Angststörung haben ca. 2,2% der Deutschen - eine Art Dauerzustand, anfallsartig, bei denen die Patienten gar nicht genau erklären können, wovor sie Angst haben. Hierbei finden wir häufig Schlafstörungen, Nervosität und einige andere Symptome
  3. Soziale Phobien haben ca. 3% der Deutschen: Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit, Angst vor dem anderen Geschlecht. Diese Patienten sind weit mehr als nur schüchtern;
  4. Spezielle Phobien haben ca. 3% der Deutschen: Höhenangst, Angst vor Spinnen, Angst vor Hunden oder vor anderen Tieren usw.

Warum treten Angststörungen auf?

Die Wissenschaft hat drei unterschiedliche Ansätze dazu entwickelt:

Im psychoanalytischen Ansatz geht man von misslungenen Bewältigungsstrategien eines Konfliktes aus, der zu Überforderung und Rückzug in kindliche Verhaltensmuster führt.

Der lerntheoretische Ansatz begründet Angstzustände mit zuvor durchlebten (erlernten) negativen Erfahrungen, die den Betroffenen davon abhalten, die Erfahrung erneut zu durchleben. So kann er niemals feststellen, dass diese Situation ggf. ein Einzelfall war (z.B. Angst vorm Fliegen nach einem Flug mit Turbulenzen).

Der neurobiologische Ansatz wählt die Möglichkeit eines labilen autonomen Nervensystems, welches zu einer schnelleren Reizung und somit Angstauslösung führen kann.

Symptome

Allgemein verursachen Angstzustände starkes Schwitzen, Hitzewallungen, Nervosität, Herzrasen, ein flaues Gefühl in der Magengegend, einen Kloß im Hals, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Beklemmung. Die Symptomatik kann derart ausgeprägt sein, dass der Betroffene durch Hyperventilation (übermäßige Atmung) das Bewusstsein verliert.

Daneben führen die verschiedenen Angstformen zu spezifischen Verhaltensmustern. Menschen mit Agoraphobie meiden große Plätze oder offene Bereiche und soziale Phobien führen zu einem vollständigen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Daneben zeigen sich auf einen Gegenstand oder ein Tier gerichtete Ängste (z.B. Spinnen, Flugzeug).

verwandte Themen: Prüfungsangst - Schlafprobleme

Sprache der Symptome

Bestimmte Ängste können auch ein Symptom für weitere Erkrankungen sein, zum Beispiel: Lungenkrankheiten, Herzkrankheiten, Kreislauferkrankungen.

Schulmedizinische Therapie

Die Schulmedizin verordnet entweder Medikamente oder Psychotherapie.

Bei den Medikamenten liegen die Antidepressiva und die Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) ganz vorne. Vor den Benzodiazepinen kann ich nur warnen: Ich kenne genug abhängige Patienten, die von diesem Zeug nicht mehr wegkommen. Da die meisten Ärzte dies auch wissen, werden gerne die "modernen" Antidepressiva verordnet. Zu diesen Mitteln habe ich einen eigenen Beitrag verfasst unter: Antidepressiva - Lebensgefährliche Plazebos?

Besser ist da schon die Psychotherapie, wie zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie.

Kommen wir als nächstes zu den "Alternativen Heilverfahren".

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie doch einfach meinen kostenlosen Praxis-Newsletter an:

Naturheilkunde und Alternativmedizin

Das Wichtigste ist, dass Sie Ihrem Arzt oder Heilpraktiker von diesen Ängsten erzählen.

Eigentlich kenne ich nämlich nur klasssische Homöopathen, die in der Anamnese nach den Ängsten etc. fragen. Und das aus gutem Grund: nämlich nicht nur, weil ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung darunter leidet, sondern auch weil diese Symptome für die homöopathische Mittelfindung sehr wichtig sind.

Beim Hausarzt klagen die Betroffenen nämlich meist eher über Schlafprobleme, Schmerzen oder andere Störungen. Man will ja schließlich nicht als Weichei oder "Spinner" dastehen.

Als Therapeut: Stellen Sie Patienten folgende Fragen

Therapeuten rate ich daher unbedingt Patienten bei der Fallaufnahme (Anamnese) folgende Fragen zu stellen (die auch die sog. S3-Leitlinie zu Angstörungen empfiehlt):

  • Haben Sie plötzliche Anfälle in denen Sie in Angst und Schrecken versetzt werden, zum Beispiel in engen Räumen?
  • Haben Sie das Gefühl ständig besorgt zu sein?
  • Haben Sie Angst, dass andere Leute Sie dumm oder ungeschickt ansehen könnten?
  • Haben Sie eine starke Angst vor Spinnen, Hunden, Katzen, Blut, Spritzen?

Ich persönlich setze in der Therapie gerne auf die klassische Homöopathie und habe damit beste Erfahrungen gemacht.

Ebenso kann ich die Angsttherapie über die Handfläche empfehlen (sog. Palmtherapy), die für die speziellen Phobien eine gute Wirkung zeigt (Angst vor Hunden, Angst vor Spinnen usw.).

Angst, Sorgen und Erschöpfung

Abgesehen von den oben beschriebenen klassischen Angststörungen, beobachte ich bei vielen Patienten etwas, was ich als: Angst, Sorgen und Erschöpfung beschreiben würde:

  • Sorgen um die Zukunft
  • Existenzängste
  • Sorgen um die Kinder 
  • Angst um den Arbeitsplatz
  • Angst verlassen zu werden
  • Angst verletzt zu werden
  • usw.

Das Ganze ist dann meist vergesellschaftet mit einer Erschöpfung und ständiger Müdigkeit. Manche denken da schon an einen Burn-Out oder Ähnliches...

In diesem Fall rate ich den Patienten meistens:

  1. Schauen und lesen Sie keine Nachrichten mehr. Die Schreckensmeldungen ziehen Sie nur noch weiter runter! Schauen Sie stattdessen Comedy Shows die Ihnen gefallen. Kaufen Sie sich z.Bsp. die Edition der Filme mit Laurel & Hardy usw.
  2. Suchen Sie sich eine Sportart, die Sie wirklich gerne machen wollen. Idealerweise vielleicht eine Sportart, bei der Sie mit anderen etwas zusammen machen: Ballsportarten, Tanzen, Chor, Schach, Fitnessstudio, Yoga... völlig egal. Lassen Sie sich von Ihrer Freude führen!
  3. Gehen Sie immer zur gleichen Uhrzeit ins Bett. Patienten mit Angststörungen und Erschöpfung schlafen "nicht richtig". Gehen Sie auf meine Seite: www.besser-gesund-schlafen.com und holen Sie sich kostenlose Tipps zu, bzw. bei den Schlafproblemen.
  4. Beachten Sie die Punkte, die ich weiter unten zur Ernährung beschreibe!
  5. Nutzen Sie eines der Verfahren, die ich unten in der Tabelle unter "sonstiges" aufführe.
  6. Beseitigen Sie Vitalstoff-Mängel (siehe Tabelle unten). Denken Sie als Erstes an B12 und an Omega-3-Fettsäuren!

So: Und jetzt die Tabelle mit weiteren guten Verfahren, die vielen Patienten sehr gut helfen können.

Akupunktur  Im Akutfall oder zur Krisenintervention (Angstkrise) käme der Punkt EX-KH1 infrage.
 
Blütenessenzen

Sehr oft liegen körperlichen Problemen seelische Ursachen zugrunde. Blütenessenzen lösen keine Probleme, aber sie helfen, anders damit umzugehen und bringen sie einer Lösung näher. Lassen Sie sich von einem/r Therapeuten/In eine Mischung zusammen stellen.

Bei Panikattacken können Sie folgendes versuchen: Sie können ein Fläschchen mit der Essenz Rock Rose mit sich führen. Während der Anfallsfreien Zeit geben Sie vier Tropfen in ein Glas Wasser und trinken es im Laufe des Tages. Bei einer Attacke direkt von dem Fläschchen ein bis zwei Tropfen auf die Zunge geben, bis sich die Lage beruhigt. Dies wiederholen Sie lange Zeit (bis zu einem Jahr), bis die Anfälle nicht mehr stattfinden.

Ernährung

Verzichten Sie auf alle gesüßten Speisen, Süßigkeiten usw. Ebenso Süßstoffe! Vermeiden Sie jegliche Art von Schweinefleisch!

Koffein kann die Symptome verstärken, also lassen Sie besser die Hände von Kaffee und schwarzem Tee. Angststörungen sind m.E. aber nicht nur mit Ernährung zu behandeln.

Orthomolekular-Medizin

Bei fast allen Patienten mit Angststörungen lassen sich Vitalstoff-Defizite feststellen.

Am häufigsten sind es Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren. In meinen Beiträgen (siehe Links dazu), habe ich bereits eine Menge dazu geschrieben. Ich würde zuerst an das Vitamin B 12 denken und dessen Level nach bringen.  Danach sofort an das Omega 3. 

Hilfreich können auch sein:

Heilpflanzen

Für folgende Pflanzen liegen positive Studiendaten (positive Monographie der Kommission E) vor: Johanniskraut, Rauwolfiawurzel, Baldrian, Rosenwurz, Kawa-Kawa, Helmkraut

Heilsteine 

Man nehmen einen Bergkristall und legen ihn nach dem reinigen in Wasser eine halbe Stunde an die Sonne. Legen Sie ihn über Nacht in 2 Liter Wasser und trinken das Wasser im Laufe des nächsten Tages. Dies wiederhole man, bis die Attacken nicht mehr auftreten (bis zu drei Wochen).
 

Homöopathie

Generell sollte das passende homöopathische Mittel von einem ausgebildeten Homöopathen gewählt werden. Hier einige "Ideen" für die Mittelwahl:

  • Angst vor dem Alleinsein:
    Calcium carbonicum Hahnemanni D6, Pulsatilla D4
  • Angst vor Gesellschaft: Hyoscyamus D30
  • Angst vor Dunkelheit: Calcium carbonicum Hahnemanni D6, Phosphorus D12

Lycopodium ist generell ein ängstlicher Typ (meist mit starken Blähungen!). Auch Arsenicum Album, Pulsatilla und Calcium Carbonicum gehören zu den "Ängstlichen". Stramonium und Aconitum steht die Angst geradezu ins Gesicht geschrieben.

Aus dem Bereich der homöopathischen Komplexmittel kann man unterstüzend wirken. Die Therapiedauer würde ich hier nicht unter 6 Monate ansetzen. Mittel könnten sein: Sedakat (alle 8 Stunden eine Tablette), Synergon Nummer 14 Platinum (ebenfalls alle 8 Stunden) oder Synergon Nummer 10 Ambra.

Ohrakupunktur 

Gut wirksam ist auch die Ohrakupunktur. Nach meiner Erfahrung wird diese bei Angstpatienten aber nicht lange genug durchgeführt. Ich rate in der Regel zu wenigstens einer Behandlung in der Woche oder zum Einsatz von Dauernadeln. Das ganze über einen Zeitraum von wenigstens 3 Monaten.

Punkte die infrage kommen: Auf jeden Fall - Angstpunkt, Point de Jerome und Polster.

Darüberhinaus: Antiaggressionspunkt, Shen Men, Vegetativum, Antidepressionspunkt.

Schüssler-Salze

Wenn sie uner unterschwelliger Angst oder Angst vor Dingen leiden: Kalium sulfuricum
Platzangst, akute Fälle: Kalium phosphoricum
Langzeitbehandlung: Kalium phosphoricum
Prüfungsangst: Magnesium phosphoricum

Sonstiges

Bewegen Sie sich an der frischen Luft, mind. 30 Minuten täglich. Eine Atemtherapie nach Rüdiger Dahlke wäre empfehlenswert. Atmen ist sowie ein Wundermittel bei Angstattacken.

Auch hilfreich:

  • Hypnose
  • EMDR Therapie 
  • Gesprächstherapie nach Rogers
  • T.R.E. Tension, Stress, Trauma Release Technik

Zum Schluss noch einige Verfahren, die noch weniger bekannt sind.

EFT Klopftechnik: einen Versuch wert. Mehr Informationen dazu unter: www.yamedo.de/heilverfahren/EFT-Klopftherapie.html

Sie können mit einem einfühlsamen Therapeuten oder Therapeutin versuchen, den Ursprung dieser Angst zu finden. Reinkarnationstherapeuten sehen die Ursache der Ängste oft in einem früheren Leben. Eine Reinkarnations-Therapie kann unter Umständen eine Angst oder Phobie in einer einzigen Sitzung auflösen.

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter von Heilpraktiker René Gräber

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 20.2.2017 aktualisiert.

Bild: © Arman Zhenikeyev - Fotolia.com