Ist Milch für den Menschen gesund?
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Nun, wie komme ich dazu, eine solche Frage zu stellen, wo doch die ganze Welt weiß, das Milch gesund ist.
Tranken wir nicht schon als Säuglinge Milch? Und geben wir nicht auch heute noch Milch an diese und an unsere
Kinder? Das viele Kalzium in der Milch soll doch für die Knochen- und Zahnentwicklung gerade bei den Kindern von
Vorteil sein, oder?
Doch halt – von welcher Milch reden wir eigentlich? Können wir die Muttermilch und Kuhmilch einfach
gleichsetzen, oder gibt es hier Unterschiede, die vielleicht auch für unseren Organismus von Bedeutung sind, im
positivem wie negativem Sinne?
von: René Gräber, Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Milch ist nicht gleich Milch
In unserem Kulturkreis beschränkt sich der Genuss von Milch im Wesentlichen auf 2 Sorten: Die Babys und
Kleinstkinder bekommen Muttermilch. Die größeren Kinder und die Gesundheitsapostel trinken Kuhmilch. Es kommt
allerdings nicht selten vor, dass auch Säuglinge mit Kuhmilch gefüttert werden oder aber von der
Nahrungsmittelindustrie vorgefertigte, leicht zuzubereitende Milchersatzprodukte erhalten.
Letzteres ist aber wiederum ein eigenständiges Thema. Denn hier geht es um die Inhaltsstoffe von solchen
Formulierungen mit dem was drin ist bzw. was fehlt, um eine geradlinige Entwicklung eines Kleinkindes zu
gewährleisten.
Wenn man den Vergleich von Muttermilch und Kuhmilch geschichtlich startet, dann fällt auf, dass ja
offensichtlich die Muttermilch, als die natürlichste Form der Säuglingsernährung, eine „Tradition“ hat seit es
Menschen und menschenähnliche Primaten gibt.
Der Genuss von Kuhmilch jedoch wurde erst im 14. Jahrhundert eingeführt, also zig Tausend Jahre nach der
Menschwerdung des Menschen. Bei einer solch jungen „Tradition“ drängt sich der Verdacht auf, dass möglicherweise
die Zusammensetzung einer solchen Milch nicht unbedingt an die Verdauungskapazitäten des menschlichen Organismus
angepasst ist. Oder umgekehrt, dass sich der menschliche Organismus noch nicht vollständig an zu verdauende
Bestandteile in der Kuhmilch angepasst hat.
Die Kuhmilch soll ja Kälber ernähren, die einen vollkommen anderen Verdauungsapparat aufweisen als
menschliche Babys. Die ersten Hinweise auf solche „Inkompatibilitäten“ bekommen wir bei den
Milchunverträglichkeiten. Hier wären zu nennen die Laktoseintoleranz, bei der der
Betroffene nicht in der Lage ist, den Milchzucker aufzuspalten und zu verdauen. Für immerhin 75 Prozent der
Weltbevölkerung ist die Laktoseintoleranz der Normalfall.
Dann gibt es noch Milcheiweißunverträglichkeiten und Allergien. Auch hier ist der
Betroffene nicht in der Lage, Kasein, das häufigste Milcheiweiß, zu verdauen bzw. reagiert allergisch auf
Kasein.
Für Menschen mit Eiweißunverträglichkeit und Laktoseintoleranz oder auch für Veganer ist die Mandelmilch daher eine ideale Alternative zur vermeintlich unverzichtbaren Kuhmilch.
Dies alles gibt Grund zu der Vermutung, dass Kuhmilch nicht dem Verdauungsmuster des menschlichen
Verdauungsapparats entspricht.
Ein direkter Vergleich der Inhaltsstoffe von Mutter- und Kuhmilch sieht dann so aus (https://de.wikipedia.org/wiki/Muttermilch):
| Inhaltsstoffe/100 ml |
Mensch |
Kuh |
| Wasser |
87,2 % |
87,5 % |
| Kohlenhydrate |
7,0 % |
4,8 % |
| Fett |
4,0 % |
3,5 - 4,0 % |
| Eiweiß |
1,5 % |
3,5 % |
| Spurenelemente |
0,3 % |
0,7 % |
| kcal |
70 |
64-68
|
| kJ |
294 |
268-285 |
| Kalium (mg) |
47 |
141 |
| Natrium (mg) |
14 |
45 |
| Verhältnis Kalium zu Natrium |
3,4 |
3,0 |
| Calcium (mg) |
33 |
116 |
| Magnesium (mg) |
3 |
12 |
| Verhältnis Calcium zu Magnesium |
11 |
10 |
| Eisen (µg) |
58 |
59 |
| Phosphor (mg) |
15 |
92 |
Was hier auffällt, ist, dass die Muttermilch deutlich mehr Kohlenhydrate enthält als die Kuhmilch. Auf der
anderen Seite enthält die Muttermilch nur fast ein Drittel an Eiweißen im Vergleich zur Kuhmilch. Auch die
Mineralstoffe zwischen den beiden Milchsorten sind verschieden ausgelegt. Dazu kommt noch,
dass die Muttermilch nicht immer konstant die gleiche Menge an Inhaltsstoffen hat, sondern sich mit der
Entwicklung des Säuglings verändert und sich dessen Erfordernissen anpasst.
Gäbe man aber einem Säugling Kuhmilch, gäbe es diesen Anpassungsprozess nicht. Der Säugling bekäme immer wieder
die gleiche Kuhmilch mit immer der gleichen Zusammensetzung, gleichgültig, ob es passt oder nicht. Verschärfend
kommt noch dazu, dass der vergleichsweise hohe Eiweißgehalt der Kuhmilch unter Umständen böse Folgen für den
Säugling haben kann, da in diesem Stadium der Entwicklung hohe Eiweißkonzentrationen die Nieren schädigen. Gleiches
gilt auch für zu hohe Konzentrationen an Kalzium.
Schon alleine die Tatsache, dass eine menschliche Mutter keine Kuhmilch produziert, sollte ausreichen, um jeden
zu überzeugen, dass die Natur sich auch in diesem Fall nicht vergriffen hat bei der Wahl der Nahrungsmittel für die
Säuglinge. Von daher ist es auf keinen Fall empfehlenswert, Säuglinge und Kleinkinder mit Kuhmilch zu
versorgen.
Kuhmilch – die weiße Gefahr
An dieser Stelle könnte man sagen: Nun gut, das Füttern der Säuglinge und Kleinkinder mit Kuhmilch ist
vielleicht doch nicht so gesund wie man gemeinhin angenommen hat. Aber – die werden ja mal älter. Das wäre dann der
geeignete Zeitpunkt, mit der Versorgung von Kuhmilch (der Einfachheit halber nenne ich die von hier ab nur noch
Milch) zu beginnen. Denn irgendwann einmal hört das Stillen auf – und was soll man dann geben?
Aber es gibt eine weitere „Inkompatibilität“ seitens der Milch, die aber weitestgehend verschwiegen wird. Sie
ist nicht so lebensbedrohlich wie z. B. eine starke Allergie gegen Kasein. Sie ist auch nicht so ausgesprochen
lästig wie die Laktoseintoleranz mit Blähungen, Durchfällen usw. Sie ist aber etwas, was andernorts unter Strafe gestellt wird: Bestimmte
Bestandteile der Milch werden zu morphinartigen Substanzen „umgebaut“, verstoffwechselt, die den Milchtrinker
abhängig machen können.
Grundlage für diese verborgene Inkompatibilität ist das Kasein:
Martínez-Maqueda et al.
Instituto de Investigación en Ciencias de la Alimentación, CIAL (CSIC-UAM), Madrid,
Spain.
„Food-derived peptides stimulate mucin secretion und gene expression in intestinal
cells.“
J Agric Food Chem. 2012 Sep 5;60(35):8600-5. doi:
10.1021/jf301279k https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22916966
Kasein hat von allen Proteinen (Eiweißen) in der Milch den höchsten Anteil. Inzwischen weiß man, dass dieses
Kasein während der Verdauung zu Casomorphin umgewandelt wird. Dieses Casomorphin hat eine Reihe von Wirksamkeiten,
wie z. B. eine analgetische Wirkung (schmerzlindernd), es wirkt blutdrucksenkend, es hemmt die Darmperistaltik usw.
Da es aber auch die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, kann es genau die Rezeptoren im Gehirn reizen, die auch
Morphium und ähnliche Substanzen benutzen, um bei dem Benutzer einen „Rausch" zu erzeugen. Die oben zitierte Arbeit
belegt diesen Mechanismus und die Aktivierung der sogenannten Opioidrezeptoren durch Casomorphin, was seinen
Ausdruck findet in der Aktivierung von Mucinen.
Dies sind strukturgebende Bestandteile des Schleims wie er z. B. im Gastrointestinaltrakt zu finden ist. Aber
auch die Muttermilch ist nicht frei von diesen Opioiden:
Ferranti et al.
Dipartimento di Scienza degli Alimenti, Università degli Studi di Napoli Federico II,
Portici, Italy
„Casein proteolysis in human milk: tracing the pattern of casein breakdown und the
formation of potential bioactive peptides.“
J Dairy Res. 2004 Feb;71(1):74-87. https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15068070
Wie bereits weiter oben erwähnt, hat die Muttermilch im Vergleich zur Kuhmilch einen deutlich geringeren
Proteinanteil und damit auch deutlich weniger Casomorphinanteile. Es wird vermutet, dass die geringen Mengen an
Casomorphin hier beim Säugling eine beruhigende und schlafanstoßende Wirksamkeit haben.
Torres-Llanez et al.
Departamento de Tecnología de Alimentos de Origen Animal
„Bioactive peptides derived from milk proteins.“
Arch Latinoam Nutr. 2005 Jun;55(2):111-7. https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16335219
In dieser Arbeit wird ebenfalls die Entstehung von Casomorphin bei der Verdauung bestätigt und deren
physiologisch positiven Eigenschaften beschrieben (blutdrucksenkend, anti-thrombotisch, immunmodulierend usw.)
Da die Existenz dieser besonderen Form von Morphinen nicht zu leugnen ist, stellt sich die Frage, warum Milch
noch nicht auf der Liste der Suchtsubstanzen ist und staatlich kontrolliert wird? Eine weitere Frage ist, warum man
vom Milch-Trinken nicht in den Rausch verfällt, den man beim „Genuss“ von Opium, Morphin usw. erhält? Da es sich ja
bei den Morphinen um Substanzen mit hohem Abhängigkeitspotential handelt, warum sehen wir dann keine
Entzugserscheinungen, wenn man ein paar Tage keine Milch trinkt?
Ein wichtiger Grund für das Ausbleiben von Rausch und Entzugserscheinungen, wie wir sie von harten Drogen her
kennen, liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an den vergleichsweise geringen Konzentrationen von
gebildetem Casomorphin. Wenn aber die Milch eine bedeutend höhere Konzentration an Kasein hätte und damit
Konzentrationen an Casomorphin aufbauen könnte, die mit dem Drogengebrauch vergleichbar wären, dann würden wir auch
die entsprechenden Rauschzustände beobachten können, inklusive der ganzen Folgeproblematik der
Drogenabhängigkeit.
Sun und Cade
Departments of Medicine und Physiology, University of Florida, HSC, 32610-0204,
Gainesville, FL, USA.
„Findings in normal rats following administration of gliadorphin-7 (GD-7).“
Peptides. 2003 Feb;24(2):321-3. https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=Gliadorphin
Diese Arbeit aus dem Jahr 2003 bestätigt meine eben geäußerte Behauptung an Ratten. In dieser Arbeit wurde mit
Casomorphin und Gliadorphin gearbeitet. Letzteres ist eine morphiumähnliche Substanz, die aufgrund der Verdauung
von Gliadin, das Hauptprotein des Glutens, entsteht. In dieser Untersuchung wurden den Ratten Casomorphin und
Gliadorphin intravenös verabreicht, um entsprechend hohe Konzentrationen des Opioids zu erhalten. Die Messung der
FLI (Fos-like immunoreactivity) im Gehirn zeigte dabei den Grad der Aktivierung der zuständigen Opioidrezeptoren
an. Je stärker diese FLI ausfiel, umso intensiver war die Wirkung von Casomorphin bzw. Gliadorphin. So kam es unter
Casomorphin nach 60 Minuten bei den Ratten zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen, die mit denen eines Rauschsüchtigen
zu vergleichen waren.
Die Ergebnisse dieser Arbeit lassen die Vermutung zu, dass es sich bei der Milch um ein Nahrungsmittel handelt,
dessen Rauschpotential nur durch die geringe Konzentration an Casomorphin begrenzt wird. Es scheint somit auch ein
latentes Suchtpotential vorzuliegen. Es gibt bei „Milch-Entzug“ zwar keine harten Entzugserscheinungen. Aber die
Betroffenen „schwören“ auf „ihre Milch“, bezeichnen sie als ihr bevorzugtes Nahrungsmittel und fühlen sich
irgendwie nicht wohl, wenn sie einmal auf „ihre“ Milch verzichten müssen. Das Gleiche gilt dann auch für
Milchprodukte oder andere Nahrungsmittel, in denen Milch ein wichtiger Bestandteil ist, wie Milch-Schokolade z. B.
Eine Wiederaufnahme des Verzehrs von Milch und seinen Beiprodukten erzeugt dann auch wieder das typische
Wohlgefühl, das typische „Belohnungserlebnis“, das auch in allerdings viel stärkerem Maße bei Drogenabhängigen
typisch ist.
Genetische Bedingungen der Abhängigkeit
Aber nicht jeder mag Milch. Wenn es ein bestimmtes Abhängigkeitspotential gäbe, müssten wir dann nicht alle
Milch-Fans sein? Denn nicht zuletzt haben wir alle als Säuglinge Muttermilch bekommen. Und dann in der Folge haben
die meisten von uns Milch in den verschiedensten Formen bekommen, und dass oft während der ganzen Kindheit und
Jugendzeit.
Die Antwort auf diese Frage ist, dass es genetische Voraussetzungen zu geben scheint, die, unabhängig von der
Milch, bestimmen, wie anfällig ein Individuum für eine Abhängigkeitsentwicklung für opioide Substanzen ist.
Bryant et al.
Department of Human Genetics, University of Chicago, Chicago, IL 60637,
USA.
„Csnk1e is a genetic regulator of sensitivity to psychostimulants und
opioids.“
Neuropsychopharmacology. 2012 Mar;37(4):1026-35. Doi:
10.1038/npp.2011.287. https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22089318
Diese Arbeit aus dem letzten Jahr zeigt die Zusammenhänge zwischen genetischer Prädisposition und
Abhängigkeitsentwicklung. Im Zentrum dieser Zusammenhänge steht ein Enzym, das genetisch kontrolliert wird und sich
Casein-Kinase-1-ε (ε steht für „epsilon“) nennt. Dieses Enzym ist für die Metabolisierung und damit Inaktivierung
von Opioiden verantwortlich. Je höher die Konzentrationen des Enzyms sind, desto schneller werden im Organismus
befindliche Opioide abgebaut und haben keine Chancen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.
So konnte diese Arbeit zeigen, dass Mäuse, die dieses Enzym nicht besaßen, da dafür das Gen fehlte, deutliche
Verhaltensstörungen aufwiesen, wenn sie mit opioiden Substanzen in Kontakt kamen. Mäuse mit dem
Casein-kinase-1-ε-Gen dagegen zeigten diese seltsamen Verhaltensweisen nur dann, wenn ihnen ein Medikament gegeben
wurde, das das vorhandene Enzym blockierte.
Wie es scheint, gibt es jedoch nicht nur Zustände, wo es gar kein Enzym gibt oder aber die volle Wirksamkeit des
Enzyms. Vielmehr scheint es „Zwischentöne“ zu geben mit mehr oder weniger stark ausgeprägter Enzymaktivität, was
sich dann natürlich in einer unterschiedlich hohen Anfälligkeit für eine Abhängigkeitsentwicklung ausdrückt.
Individuen mit einem voll ausgebildeten bzw. vorhandenen Casein-kinase-1-ε-System werden demzufolge nur dann
süchtig, wenn sie außerordentlich hohe Mengen an Drogen konsumieren.
Daraus folgt …
…nicht notwendigerweise, dass man seinen Casein-kinase-1-ε-Status bestimmen lassen muss, um ungefährdet ein Glas
Milch zu trinken. Dafür sind einfach die Konzentrationen an Casomorphin zu gering. Für andere Bereiche jedoch kann
diese Konstellation einige praktische Folgen haben:
Zhongjie et al.
University of Florida, USA
„β-Casomorphin Induces Fos-Like Immunoreactivity in Discrete Brain Regions Relevant to
Schizophrenia und Autism“ http://aut.sagepub.com/content/3/1/67.short
In dieser Arbeit wurde Ratten eine Stunde lang Casomorphin intravenös verabreicht in Konzentrationen von 5, 10
und 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Auch hier wurde wieder die FLI gemessen, um eine Stimulation der
Opioidrezeptoren bestimmen zu können. Diese FLI wurden dann in Hirnregionen gesehen, die typisch sind für
anatomische und funktionelle Veränderungen bei Schizophrenen. Viele dieser Regionen sind auch bei Autisten
betroffen und zeigen Abnormalitäten.
Einige dieser Regionen sind mit zuständig für emotionales und motivationsabhängiges Verhalten, für soziale
Anpassung, Halluzination und Desillusion. Ein weiteres Argument, dass die Hypothese unterstützt, dass Casomorphin
und ähnliche Substanzen einen Einfluss auf die Ausbildung von Autismus und Schizophrenie haben könnten, ist die
Tatsache, dass in der Vergangenheit bei Autisten und Schizophrenen hohe Konzentrationen an Casomorphin im Liquor,
Blut und Urin beobachtet worden sind. Es wäre natürlich in diesem Zusammenhang interessant zu untersuchen, ob bei
Autisten und Schizophrenen durchgängig ein Casein-kinase-1-ε-Mangel vorliegt, der für die hohen Konzentrationen an
Casomorphin verantwortlich wäre.
Solche Untersuchungen scheint es aber noch nicht zu geben.
Für Kinder und vor allem Kleinkinder heißt dies, dass ein täglicher Milchgenuss besonders dann autismusfördernd
ist, wenn bei dem Kind ein Casein-kinase-1-ε-Mangel vorliegt. Hier scheinen zwar die Konzentrationen von Casein in
der Kuhmilch nicht hoch genug zu sein, um bei den Kindern einen Rausch zu erzeugen. Sie scheinen aber ausreichend
hoch zu sein, besonders bei täglicher Gabe, diese Veränderungen im Gehirn zu bewirken, die dann nach geraumer Zeit
als Autismus diagnostiziert werden. Die Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass z. B. Gliadorphin eine bis zu
20-mal stärke opioide Wirksamkeit hat als Morphin. Casomorphin hat eine etwas schwächere Wirkung, die aber immer
noch über 10-mal stärker ist als die von Morphin.
Daraus ergibt sich, dass die Gabe von „gesunder“ Milch bestenfalls als unbedenklich bezeichnet werden kann, wenn
man genau weiß, dass man über ein kompetentes Casein-kinase-1-ε-System verfügt. Da dies aber niemand weiß, ist es
geraten, Kinder keine Milch zu geben, um solchen möglichen Folgen auszuweichen. Und dafür gibt es auch
wissenschaftliche Gründe:
Knivsberg et al.
Center for Reading Research, Stavanger University College, Norway
„A randomised, controlled study of dietary intervention in autistic
syndromes.“
Nutr Neurosci. 2002 Sep;5(4):251-61. https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12168688
In dieser Arbeit wurde der Effekt einer gluten- und kaseinfreinen Diät bei autistischen Kindern beobachtet.
Diese Kinder wiesen durchgehend abnormale Peptide im Urin auf. Der Beobachtungszeitraum betrug 1 Jahr. Es gab eine
Plazebogruppe und eine Verumgruppe zu je 10 Kindern. Es zeigte sich, dass die Entwicklung der Verumgruppe
signifikant besser war als die der Plazebogruppe. Liegt dann noch eine Störung im Gastrointestinaltrakt vor, wie z.
B. ein Leaky-Gut-Syndrom, dann kommt es zu einer unkontrollierten Passage von Substanzen, die diesem Szenario
Vorschub leisten. Eine neuere Arbeit unterstützt diese Hypothese:
Pennesi und Klein
Department of Biobehavioral Health, The Pennsylvania State University, PA 16802,
USA
„Effectiveness of the gluten-free, casein-free diet for children diagnosed with autism
spectrum disorder: based on parental report.“
Nutr Neurosci. 2012 Mar;15(2):85-91. Doi:
10.1179/1476830512Y.0000000003. https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?db=pubmed&cmd=search&term=Pennesi+and+Klein
Siehe auch unter: http://www.sciencedaily.com/releases/2012/02/120229105128.htm
In dieser Arbeit wurden fast 400 Eltern von autistischen Kindern befragt, inwieweit eine kasein- und glutenfreie
Diät bei ihren Kindern eine Verbesserung herbeigeführt hatte. Es wurden dabei auch gastrointestinale Probleme bei
den Kindern bestimmt, Nahrungsmittelallergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die Länge und Art der kasein- und glutenfreien Diät.
Das Resultat war, dass die Kinder, bei denen die Eltern gastrointestinale Symptome, Nahrungsmittelallergien und
Nahrungsmittelunverträglichkeiten angaben, eine größere Verbesserung der autistischen Verhaltensweisen, der
physiologischen Symptome und des sozialen Verhaltens zeigten als Kinder, deren Eltern keine dieser Symptome angeben
konnten.
Die Angaben zur strengen Durchführung einer kasein- und glutenfreien Diät, mit nur gelegentlichen Fehlern in der
Ausführung, resultierte in einer nahezu kompletten Eliminierung von Gluten und Kasein bei den Kindern. Auch dies
führte zu einer signifikanten Verbesserung der Autismus-Symptomatik, der physiologischen Symptome und des sozialen
Verhaltens.
Die Autoren schlossen daraus, dass Autismus nicht nur eine neurologische Erkrankung ist, sondern dass Störungen
im Gastrointestinaltrakt und im Immunsystem ihren Beitrag zum Krankheitsbild leisten.
Fazit
Die allgemein ausgewiesenen Vorteile der Milch scheinen bei einer normalen und gesunden Ernährung nur noch von
untergeordneter Bedeutung zu sein. Denn Kalzium z. B. ist auch in anderen Lebensmitteln enthalten, so dass die
Milch in dieser Beziehung keine großen Vorteile bieten kann. Der mögliche Schaden durch den Milchverzehr jedoch,
besonders bei kleineren Kindern, ist als bei weitem größer einzuschätzen als sein möglicher Nutzen. Dieses ganze
Szenario lässt mich zu dem Schluss kommen, dass der Mensch, wie vor dem 14. Jahrhundert, auch ganz gut ohne
Kuhmilch auskommen kann. In vielen Fällen wäre es sogar besser, auf Milch komplett zu verzichten.
weitere Themen: Laktose Unverträglichkeit - Mandelmilch
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.01.2013 aktualisiert.

|