Zahnprobleme: Karies, Parodontose, Zahnfehlstellungen

... und wie diese aus Sicht der Naturheilkunde und Alternativmedizin behandelt werden könnten.

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Zähne sind faszinierende Gebilde: Beim Kauen lasten Gewichte von bis zu 100 Kilogramm auf ihnen. Wie kommt es, dass sie trotzdem nicht brechen und (idealerweise) ein Leben lang halten? Materialwissenschaftler kommen vielen Geheimnissen des Zahnschmelzes erst langsam auf die Spur. Das Geheimnis der Stabilität scheint weniger im Material als im Aufbau zu liegen: Feinste Nanofasern eines eigentlich spröden Materials durchziehen die Zähne. Weil die Fasern so dünn sind, sind sie ausgesprochen biegsam und können deshalb große Kräfte aufnehmen. In kompakten Bündeln und Geflechten durchziehen die Fasern den ganzen Zahn und verhindern so, dass Risse und Brüche sich ausbreiten können. Damit ist der Zahnschmelz sehr hart und hält viel aus. Leider kommt es aber trotzdem häufig zu Problemen:

Die drei großen Zahnprobleme heißen: Karies (Zahnfäule), Parodontose (Zahnfleischschwund und Kieferschwund) und Parodontitis (Zahnfleischentzündung).

Manche Kollegen meinen (nicht ganz im Scherz), die drei großen Zahnprobleme heißen: Schulmedizin, mangelnde Zahnhygiene und falsche Ernährung. Darauf komme ich später noch, aber zuerst möchte ich einmal bei den drei Erstgenannten bleiben.

Zu diesen drei großen "Problemen" kommt dann aber noch der gesamte Problemkreis Zahnfehlstellungen (Kiefermissbildungen und Kieferfehlbildungen).

Als fünftes Problem gehören eigentlich noch tote Zähne (wurzelbehandelte Zähne) dazu, die als Zahnstörfelder wirken können. Außerdem stellt Zahnfleischbluten für viele Patienten ein Problem dar, was aber eigentlich nur ein Symptom ist.

Der Zusammenhang zwischen Zahnproblemen und anderen Erkrankungen

Was viele nicht wissen: Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs wirken sich nicht nur lokal im Mundraum negativ auf die Gesundheit aus, sondern können möglicherweise unseren gesamten Organismus betreffen. So gehen Studien davon aus, dass sich durch eine regelmäßige Zahnsteinentfernung das Risiko für Infarkte drastisch senken lässt.

Einer veröffentlichten Untersuchung aus dem November 2011 zufolge sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt bei einer jährlichen professionellen Entfernung der festen Auflagerungen um 24 Prozent und das Risiko für einen Hirnschlag um immerhin 13 Prozent. Zu diesem Schluss kam die taiwanesische Kardiologin Emily Zu-Yin Chen (Link zur Studie) nach der Durchsicht von mehr als 102.000 Krankenakten. Hierzu verglich sie bei erwachsenen Patienten, die bis zum Jahr 2000 weder einen Herzinfarkt noch einen Schlaganfall erlitten hatten, in den sieben Folgejahren die Inanspruchnahme einer medizinischen Zahnreinigung. Dabei stellte die Ärztin einen klaren Zusammenhang fest: Je regelmäßiger die Patienten ihren Zahnstein behandeln ließen, desto seltener traten bei ihnen die oft tödlich endenden Erkrankungen auf. Chen, die ihre Ergebnisse auf einem Kongress der American Heart Association in Orlando vorstellte, geht davon aus, dass durch eine professionelle Zahnsteinentfernung weniger Entzündungen entstehen, was sich wiederum positiv auf das Herzkreislaufsystem auswirkt.

Ähnliche Ergebnisse liefert die Studie von Anders Holmlund, einem Wissenschaftler der schwedischen Universität Uppsala, der mehr als 7.600 Patienten untersuchte. Teilnehmer, die elf oder mehr Zahnlücken aufwiesen, hatten (im Vergleich zu gleichaltrigen Personen mit vollständigem Gebiss) ein um 69 Prozent erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken. Auch bei einer bakteriellen Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) ist die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, nach dieser Studie um 53 Prozent erhöht (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20350152).

Da allerdings bei beiden Studien keine weiteren typischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck oder Übergewicht, berücksichtigt wurden, weisen diese Ergebnisse allein noch keinen direkten Zusammenhang zwischen der Zahngesundheit und Herzkreislauferkrankungen nach. Vielmehr kann es natürlich auch sein, dass Menschen, die ihre Zähne nicht pflegen, auch den übrigen Körper vernachlässigen.

Allerdings gibt es mehrere weitere Studien, die eine Verknüpfung der Zahngesundheit mit dem kardiovaskulären Systems zumindest wahrscheinlich erscheinen lassen. So befragten Londoner Wissenschaftler fast 12.000 Personen zu ihrer Zahnhygiene. Sie stellten fest, dass Menschen, die sich nicht regelmäßig ihre Zähne putzen, signifikant häufiger an Herzkreislauferkrankungen leiden als andere (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20508025). Zu dem gleichen Ergebnis kam eine schottische Studie, die gleichzeitig andere Risikofaktoren analysierte. Demnach waren Herzkreislauferkrankungen (erwartungsgemäß) nicht nur mit mangelnder Mundhygiene, sondern beispielsweise ebenso mit Rauchen assoziiert. Ein Zusammenhang zwischen schlechten Zähnen und Herz-Kreislauf-Problemen konnte aber auch hier erkannt werden. (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21108190).

Das ist auch Fakt, den ich in der täglichen Praxis sehe: Je schlechter das Gebiss, desto häufiger entstehen Entzündungen im Mundraum -und desto mehr weitere chronische Leiden sehe ich bei den Patienten. Hierdurch können gesundheitsschädliche Keime überhandnehmen und über Verletzungen am Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen. Einige Experten gehen durchaus davon aus, dass sich die Bakterien an Verkalkungen in den Gefäßen ansiedeln und dort zu einem Gefäßverschluss und damit zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen könnten.

Doch nicht allein das: Jede Entzündung im Körper stresst das Immunsystem. Unser Organismus schüttet verschiedene Proteine – etwa das C-reaktive Protein (CRP) und Fibrinogen – aus, um die körpereigene Abwehr zu aktivieren. Fibrinogen aber regt nicht nur unser Immunsystem an, sondern hilft auch bei der Verklumpung der Blutplättchen mit, wodurch die Wahrscheinlichkeit für einen Arterienverschluss weiter ansteigt. Obwohl beim CRP der genaue Mechanismus noch unklar ist, weiß man, dass chronisch erhöhte Werte die Arterienverkalkung begünstigen.

Der Zahnmediziner Thomas Kocher, der seit 1997 die Auswirkungen von Zahnproblemen auf den gesamten Organismus untersucht, vermutet, dass ein krankes Gebiss noch weit mehr negative Folgen hat. So konnte sein Greifswalder Forscherteam zeigen, dass auch Diabetes möglicherweise durch Parodontitis ausgelöst wird (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19622096). Andere Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass Demenz, chronisches Nierenversagen und Frühgeburten ebenfalls in vielen Fällen auf ein schlechtes Gebiss zurückgeführt werden können. Die Forschungsarbeiten zu diesen Aspekten stehen allerdings noch am Anfang.

Inzwischen wird man jedoch auch bei der „Schulzahnmedizin“ auf den Zusammenhang zwischen allgemeiner Gesundheit und Zahnproblemen aufmerksam. So erläuterte Martina Lösser, ein Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, 2009, dass die Rolle der Zähne für die Gesundheit leider immer noch unterschätzt wird. Laut Statistik ist bei mehr als 85 Prozent der Deutschen die Funktion von Kiefergelenk, Zähnen und betroffener Muskulatur gestört. Frauen sind öfter von solchen Problemen betroffen als Männer. Die Ursache für dieses Phänomen liegt in der unterschiedlichen Struktur des Bindegewebes zwischen Männern und Frauen.

Aber die Ursache für das Auftreten von Störungen selbst liegt oft in Umweltbedingungen. Es gibt eine Reihe von Leuten, die aufgrund von beruflichem und/oder privatem Stress im Schlaf mit den Zähnen knirschen. Am besten wäre es natürlich, den Stress zu vermeiden, um hier Abhilfe zu schaffen. Aber das ist oft leichter gesagt als getan. Alternativ dazu, und deutlich schneller wirksam, ist eine einfache Aufbiss-Schiene. Aber auch hier stehen oft Bequemlichkeit und Vergesslichkeit einer optimalen Nutzung im Wege. Die Folgen können mehr als unbequem sein. Denn eine langfristig unbehandelte Störung entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer chronischen Angelegenheit, die einen entsprechend langen Leidensweg „verspricht“.

Aber nicht nur die Muskelverspannungen aufgrund von Stress zeigen unerwünschte Folgen. Der falsche Biss bzw. ein fehlerhafter Stand der Zähne zum Kiefergelenk ist meistens die Ursache für eine gestörte Kaufunktion des Kiefers. In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt auf die Zahnfehlstellungen im Kindesalter hinweisen. Wenn Sie Kinder haben, sollten Sie daher unbedingt meinen Beitrag zum Bionator lesen!

Aber auch ein nicht optimal angepasster Zahnersatz oder nur ein fehlender Zahn können Ursache für Funktionsstörungen und Erkrankung sein. Als junger Mensch lassen sich zwar die Symptome relativ gut kompensieren, was oft dazu führt, dass die Behandlung erst dann aufgenommen wird, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Ab Mitte 20 ist es dann so weit: Die Kompensationsstrategie versagt ab diesem Alter in den meisten Fällen und die einschlägigen Beschwerden werden manifest.

Selbst für Frau Martina Lösser sind diese gesamten Krankheitsbilder rund um diese Zahnprobleme derartig komplex, dass sie, um sie adäquat behandeln zu können, nicht nur von der Zahnmedizin alleine versorgt werden sollten. Hier fordert sie einen „interdisziplinären Ansatz“. Dieser Ansatz ist eigentlich nicht neu, von der Idee her. Aber in der Praxis zeigen sich „Abgründe“ zwischen der Theorie und der Praxis. Denn die interdisziplinäre Kooperation ist einfach noch nicht auf dem Stand, auf dem sie sein könnte und sollte.

Mittlerweile reagieren Zahnärzte anscheinend auf dieses Wissen und beginnen bereits im frühen Kindesalter Zahnstellungen und Kieferstellungen zu korrigieren. Leider werden hierzu (meiner Meinung nach) viel zu oft die sogenannten Brackets eingesetzt - die festen Zahnspangen. Ich plädiere eher (wo möglich) für den Einsatz eines Bionators. Mehr dazu in meinem Beitrag: Bionator - die clevere Zahnspange. Aber mit der Kooperation ist es da nicht weit her ... Von eingen Zahnärzten musste ich mir da schon derbe Antworten anhören nach dem Motto: "Was ich mich da einmische..." usw. Ich erlaube mir aber mich einzumischen, weil ich die Patienten danach mit den "Folgeproblemen" sehe, von denen (mit Verlaub) die meisten Zahnärzte keine Ahnung haben.

Wir könnten also ein „Zwischenfazit“ ziehen:

Man braucht einen guten Zahnarzt, zu dem man Vertrauen hat.

Das ist nicht immer ganz einfach: Zum einen gibt es Zahnärzte, die auf den ersten Blick ausgezeichnete Arbeit leisten, aber auch solche, wo ich auf den ersten Blick "Ungenauigkeiten" erkenne. Dies sehe ich bereits daran, wenn ich den Patienten in den Mund schaue. Dort fällt dann z.B. sofort die mangelhafte Füllung auf, der fehlende Randschluss zum Zahn, und so weiter.

Darüber hinaus gibt es Zahnärzte, die um folgende Probleme wissen: wurzelbehandelte Zähne, Amalgam, wie man Amalgam herausbohren muss, dass man nicht verschiedene Zahnmetalle im Mund haben sollte, dass man nicht sofort mit Gold füllen sollte, wenn vorher Amalgam im Zahn war, und so weiter und so weiter.

Eine Alternative zur Zahncreme

Forscher des Athlone Institute of Technology (AIT) in Irland haben festgestellt, dass Kokosöl Bakterien im Mundraum noch besser abtötet als herkömmliche Zahncreme. Vor allem wenn das Öl mit Enzymen angereichert wurde, leistet es gute Dienste.

Neben den typischen Zahnerkrankungen wie Karies und Parodontitis kann das Kokosöl möglicherweise sogar Mundfäule (Soor) und Darmerkrankungen verhindern. Die irischen Wissenschaftler halten das Öl für so wirksam, dass sie der Meinung sind, es sollte Bestandteil jeder Zahncreme sein. (Presented at the Society for General Microbiology Autumn Conference 2012, 3–5 September, Coventry, UK)

Weitere Themen im Zusammenhang mit Zahnproblemen: Fluormangel, Zungenschaber

Weitere Beiträge zu Zahnproblemen:

  • Neue Erkenntnisse zum Thema koronare Herzkrankheit und Entzündungsmarker
    Dr. Alexander Thompson und Prof. John Danesh von der Universität Cambridge veröffentlichten in der Fachzeitschrift Lancet (The Lancet, Band 375, Ausgabe 9725, Seiten 1536 – 1544, 1. Mai 2010) eine Untersuchung zum Thema „koronare Herzkrankheit und Entzündungsmarker“. Sie untersuchten 32 Studien älteren Datums mit zusammen 79.036 Patienten auf Verbindungen zwischen dem Auftreten des Entzündungsmarkers Lp-PLA2 und dem Auftreten von Todesfällen, koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfällen.

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Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und alternativmedizinische Therapieverfahren, die bei Problemen mit den Zähnen infrage kommen.

Viele der hier vorgeschlagenen Hausmittel und Naturheilmittel dienen vor allem der Linderung, bis Sie einen Zahnarzt aufsuchen können.

Bachblüten Bei Zahnschmerzen kann man die Bachblüte Walnut versuchen.
Ernährung Zahnprobleme wie Parodontose und Karies könnten alleine durch eine gesunde Ernährung vermieden werden. Ohne Weißmehl, Zucker und vor allem auch Fruchtzucker (Süßigkeiten!) wären viele Zahnärzte arbeitslos.
Heilpflanzen

Vogelknöterich ist in der Behandlung bei Zahnfleischentzündungen als Mundspüllösung bewährt. Auch die Ölzieh-Kur ist sehr bewährt. Strittig bleibt allein die Frage nach dem Öl. Ich verwende gerne Arganöl oder auch Hanföl. Der "Klassiker" ist allerdings das Sonnenblumenöl. Als "Geheimtipp" wir das Neo Ballistol gehandelt, dass allerdings recht "stark" in der Anwendung ist. Interessierte sollten hier mit höchstens einem gestrichenen Teelöffel beginnen.

Bei Zahnschmerzen kann man sich bis zur Behandlung beim Zahnarzt mit Nelkenöl behelfen: Einige Tropfen auf ein Wattestäbchen und die schmerzende Stelle mehrmals betupfen. Eine getrocknete Nelke kauen ist auch möglich.

Bei Zahnfleischerkrankungen, Zahnwurzelentzündungen oder Vereiterungen im Kiefer: Auflagen mit Heilerde (mit etwas Wasser kleine Heilerdekugeln formen und auflegen);
auch hilfreich: Propolis kauen.

Säure-Basen-Haushalt

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" können bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen.
 

Schüssler Salze Zahnschmerzen bei Entzündungen der Mundschleimhaut: Ferrum phosphoricum

Zahnschmerzen bei leichter Zahnfleischblutung: Kalium phosphoricum

Zahnschmerzen bei periodisch auftretenden Schmerzattacken: Magnesium phosphoricum

Zahnschmerzen mit vermehrtem Speichelfluss: Natrium chloratum

Zahnschmerzen in Verbindung mit Rheuma: Calcium sulfuricum
Homöopathie

Zahnschmerzen akut und heftig: Aconitum D 30

Zahnschmerzen klopfend und pulsierend: Belladonna D 30

Zahnschmerzen unerträglich: Chamomilla D 30 (das würde ich wählen, wenn ihnen sonst kein Mittel aus der Homöopathie einfällt).

Zahnschmerzen, heftig, hineinschießend: Colocynthis D 4

Zahnstörfeld

Tote Zähne stören grundsätzlich den ganzen Organismus. Lesen Sie hierzu meinen Beitrag: Wurzelbehandelte Zähne

Auch Amalgam-Füllungen sind bedenklich. Ich rate generell dazu, diese langfristig zu ersetzen.

Bei regelmäßig wiederkehrenden Zahnschmerzen wäre auch an eine Fehlstellung des Kiefergelenks (Temperomandibulargelenk) zu denken.

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Diese Seite wurde letztmalig am 3.1.2017 aktualisiert.