Der Fluch der Antibiotika

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

An den Antibiotika scheiden sich die Geister: die einen halten diese für einen Segen, andere meinen, dass diese viel zu häufig verordnet werden und selbst Krankheiten produzieren. In diesem Beitrag stelle ich unbequeme Fragen und gehe auf Fakten und Nebenwirkungen zu Antibiotika, sowie auf einige Alternativen.

Eigentlich ist das Penizillin ein richtiges "Naturheilmittel", weil es aus den Wirkstoffen eines Pilzes gewonnen wird. Leider wurde dieses "Wundermedikament" in den letzten 60 Jahren zu einem der am meisten "missbrauchten" Mittel. Dabei ist es ein Mittel, dass wirklich "gesund" machen kann - eine Tatsache, die mir von keinem weiterem Medikament, dass in der Schulmedizin eingesetzt wird bekannt ist.

Wenn Sie ein Medikament kennen, das wirklich "gesund" macht, schreiben Sie mir bitte! Alle anderen Medikamente behandeln nur Symptome.

Bevor ich mich in diesem Beitrag den Problemen und der Alternativen der Antibiotika zuwende, möchte ich Ihnen kurz beschreiben, was Antibiotika eigentlich sind. Häufig hört man nämlich im Zusammenhang mit Antibiotika auch auch etwas von "Sulfonamiden" oder zum Beispiel von "Gyrasehemmern".

Antibiotika - Verordnung wie bunte Smarties
Abb1: Antibiotika - werden zu viel, zu oft und auch gegen Erkrankungen verordnet, bei denen diese gar nichts nützen. Wenn Sie solche Informationen interessieren, fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Newsletter an.

Was sind Antibiotika?

Der Begriff Antibiotika stammt aus dem altgriechischen und bedeutet übersetzt: gegen das Leben. Dem gegenüber stehen Probiotika: "für das Leben"

Ein Antibiotikum ist ein Medikament, das zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten verwendet wird. Es handelt sich dabei um niedermolekulare Stoffwechselprodukte, die von Bakterien oder Pilzen natürlich gebildet werden. Gegen Virusinfektionen sind Antibiotika nutzlos.

Letztlich haben Antibiotika nur eine Aufgabe: Das Hemmen oder Töten von Mikroorganismen.

Die Wirkung von Antibiotika wird in drei Arten unterschieden:

Bei der primär bakteriziden Art werden die Bakterien "getötet", auch in der Ruhephase, wenn sich die Bakterien nicht teilen. Hierzu gehören die Aminoglycoside (z.B. Gentamycin, Streptomycin) und die Gyrasehemmer (z.B. Ciprofloxacin).

Die sekundär bakteriziden Antibiotika können die Bakterien nur während der Zellteilung der Bakterien töten. Hierzu gehören die Beta-Lactam Antibiotika (Penicilline und Cephalosporine), sowie Glycopeptid-Antibiotika (z.B. Vancomycin).

Bei der bakteriostatischen Wirkweise werden die Bakterien, an ihrer Vermehrung gehindert (z.B.: Makrolide, Sulfonamide, Chloramphenicol, Tetrazykline, Trimethoprim u.a.)

Zu viele Antibiotika...

Ein Problem der Antibiotika ist schlicht und ergreifend ein ZU VIEL. Frei nach dem Motto: viel hilft viel, wurden seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts Antibiotika gegen alles und jeden verordnet.

Zum Antibiotikaverbrauch empfehle ich auch den GERMAP 2008 Report: Bericht über den Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland

Bereits in den 80er Jahren wurde in den USA u.a. festgestellt, dass in der Hälfte der Fälle:

  • ein Antibiotikum nicht notwendig war
  • das falsche Antibiotikum verschrieben wurde oder
  • die Dosierung des Antibiotikums falsch verordnet wurde

Antibiotika wirken nicht...

Das Hauptproblem neben dem "zuviel" und auch den falschen Verordnungen ist, dass Antibiotika gegen Krankheiten verschrieben werden, gegen die Antibiotika gar nicht wirken.

Trotzdem werden Antibiotika gegen alle möglichen Infektionen verschrieben, obwohl bereits Medizinstudenten im ersten Semester WISSEN, dass Antibiotika gegen Viren NICHT WIRKEN.

Die häufigsten Infektionskrankheiten mit denen wir konfrontiert werden sind aber Erkältungen und Infektionen der Atemwege. Dennoch greifen die Mediziner fast wie hypnotisiert zu Antibiotika, wenn sie zum Beispiel einen Patienten mit einer akuten Bronchitis vor sich haben. Auch andere Erkältungskrankheiten werden oft mit Antibiotika „therapiert“.

Da stellt sich die Frage, ob die behandelnden Ärzte etwa in der Lage sind, durch den bloßen Augenschein zu erkennen, dass die Ursache dieser Erkrankungen auf einer bakteriellen Infektion beruht und virale Ursachen auszuschließen sind? Ich bin kein Mikrobiologe, aber mir wurde während meiner Ausbildung glaubhaft versichert, dass eine solche Differenzierung nur mit mikrobiologischen Methoden zu bewerkstelligen ist.

Was die Ärzte davon abhält, diesen Zusammenhang anzuerkennen und in die Praxis umzusetzen, ist nicht bekannt. Vielleicht ist es wirklich Dummheit, Bequemlichkeit oder ähnliches? Denn der Griff zu bekannten Arzneimitteln ist verlockend; und man kann ja nicht viel falsch machen, oder? Somit wird munter weiter therapiert mit den falschen Mitteln, und das trotz „evidenzbasierten“ Erkenntnissen, dass Antibiotika bei diesen Erkrankungen nicht indiziert sind.

Eine Arbeit von Barnett und Jeffrey (Antibiotic Prescribing for Adults With Acute Bronchitis in the United States, 1996-2010) hat das Verschreibungsverhalten von Medizinern unter die Lupe genommen. Für den Zeitraum von 1996 bis 2010 gab es keine Abnahme der Verschreibungshäufigkeit für Antibiotika, obwohl dies aufgrund des dargestellten Zusammenhangs zu erwarten gewesen wäre. Im Gegenteil: Die Tendenz zeigte himmelwärts!

In Deutschland gibt es keine so ausgeklügelte Untersuchung zu diesem Thema. Die wenigen Untersuchungen dazu jedoch geben Grund zu der Vermutung, dass hierzulande in bis zu 75 Prozent der Fälle Antibiotika bei banalen Erkältungskrankheiten zum Einsatz kommen. Besonders hellhörig wird man, wenn sogar in den „Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin“ festgehalten wird, „dass bei Bronchitis und bis zu acht Wochen andauerndem Husten die Medikamente zu vermeiden sind", (siehe: degam.de). Erst bei einer Lungenentzündung gibt es Anlass, über den Einsatz von Antibiotika nachzudenken.

Und es gibt noch eine weitere SEHR interessante Webseite: „choosingwisely.org“. Auch hier gibt es schulmedizinische Vertreter, die die mikrobiologischen Zusammenhänge nicht nur verstanden haben, sondern ausdrücklich auf deren praktische Beachtung pochen. Ich habe einmal in dieser Webseite „herumgeblättert“ und bin auf sehr interessante Artikel zu diesem Thema gestoßen. Leider ist alles auf Englisch:

  • Antibiotics for a sore throat, cough, or runny nose - When children need them—and when they don’t – Der Artikel stellt gleich zu Beginn klar, dass in der Mehrzahl der Fälle, Kinder bei einer Erkältung oder Bronchitis keine Antibiotika benötigen, da diese nicht zuletzt mehr schaden ohne zu nützen. Auch hier wieder die Botschaft (die viele Ärzte nicht glauben wollen), fett gedruckt: Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Auch Sinusinfektionen (Sinusitis) beruhen in der Mehrzahl auf einer viralen Infektion. Nicht nur die Leitlinien der Allgemeinmediziner (siehe weiter oben) schlagen in diese Kerbe, sondern die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde schließen sich dieser Ansicht ebenfalls an: Die aktuelle Behandlungsleitlinie bei Sinusitis. Die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte gehen sogar noch einen Schritt weiter und empfehlen als Medikament der ersten Wahl bestimmte pflanzliche Heilmittel, wie zum Beispiel Myrtol als Ersatz für Antibiotika.
  • American Academy of Pediatrics - Ten Things Physicians and Patients Should Question – Gleich als erstes kommt (wieder) die wichtigste Botschaft dieses Artikels: Antibiotika sollten auf keinen Fall bei viral bedingten Atemwegserkrankungen genommen werden, wie Sinusitis, Pharyngitis und Bronchitis. Verstöße gegen dieses „Gesetz“ (der Logik) führen sowohl zu Resistenzentwicklungen, als auch zu unnötigen Ausgaben und damit zu höheren Behandlungskosten.
  • Treating sinusitis - Don't rush to antibiotics – Die Behandlung von Sinusitis – kein Grund sofort zu Antibiotika zu greifen, lautet die Übersetzung. Der Artikel erzählt uns, dass bis zu 21 Prozent aller Verschreibungen von Antibiotika erfolgen, um mit ihnen eine Sinusitis zu behandeln. Dabei sind diese Medikamente bei dieser Indikation fast vollkommen fehl am Platz (Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel). Erst bei länger anhaltenden Symptomen, die sich erst verbessern und dann schlagartig wieder verschlechtern und mit hohem Fieber einhergehen, ist die Gabe von Antibiotika zu empfehlen.
  • Bei Kindern werden bei einer Mittelohrentzündung fast immer von den Ärzten ein Antibiotikum verordnet - OBWOHL die allermeisten Fälle von alleine ausheilen. Weiter unten gehe ich auf diese Problematik noch genauer ein. Trotz der Menge von Antibiotika die verordnet werden, haben die Fälle von Mittelohrentzündung bei Kindern zugenommen, vor allem bei Kindern unter drei Jahren. Einen Zusammenhang versuche ich übrigens im Beitrag Lymphatismus bei Kindern herzustellen.

Wer jetzt glaubt, einwenden zu können, dass die Antibiotika vielleicht den Virus als Ursache für die Bronchitis zum Beispiel nicht angehen können, aber immerhin zu befürchtende Folgeinfektionen durch Bakterien verhindern können, der scheint auch mit dieser Meinung nicht ganz richtig zu liegen.

Es scheint zwar einleuchtend, dass bei einem viel beschäftigen Immunsystem gewisse Kapazitäten fehlen, wenn noch andere Infektionen dazu kommen. Aber das ist eine nicht bewiesene Hypothese, die davon ausgeht, dass das Immunsystem arbeitet wie ein Beamter, der bei mehr als drei Besuchern gleichzeitig geneigt ist, das Handtuch zu werfen. Denn es gibt, so viel ich weiß, keine Kapazitätenbeschreibungen des Immunsystems, die abklären, wie viele Infektionen auf einmal so ein Immunsystem aushalten kann. Die Kapazitäten diesbezüglich scheinen viel größer zu sein, als wir uns bislang haben vorstellen können. Somit ist auch eine "prophylaktische" Antibiotika-Gabe nichts als ein Schlag ins Wasser.

Schuld an dieser Gesamt-Entwicklung sind aber aus meiner Sicht nicht nur die Ärzte, die bei jeder Art von Entzündung erst einmal ein Antibiotikum verordnen - sozusagen "für alle Fälle". Jahrzehnte der "Drohmedizin" nach dem Motto: "Wenn Sie das nicht ihrem Kind geben, handeln Sie grob fahrlässig" und Appelle in der Art wie: "Wollen Sie nicht das Beste für Ihr Kind?" haben auch die Mütter "erzogen".

Und so sind es heute auch die Mütter, die in der Praxis sitzen und für Ihr Kind ein Antibiotikum wollen.

Antibiotika zur "Beruhigung" der Patienten...

Im Folgenden möchte ich noch zwei Beispiele anführen, die ich öfter in der Praxis sehe: Die Mittelohrentzündung bei Kindern und die Blasenentzündung bei Erwachsenen.

Bereits 1991 titelte eine Ärztezeitschrift (das MIMS Magazin in den USA) mit der Überschrift: "Otitis Media: Können Sie aufhören Rezepte nur wegen der Mutter zu verschreiben?"

Ein Problem ist, dass viele Ärzte Antibiotika verordnen, BEVOR sie WISSEN, dass es wirklich notwendig ist. Zum Beispiel ist gar nicht sicher erwiesen, dass Bakterien die Ursache einer Mittelohrentzündung sind. Studien zeigen, dass in 75% aller Fälle eine wiederholte Antibiotikatherapie die Bakterien "töten", aber nicht die Flüssigkeit im Mittelohr beseitigen kann. Das ist zum Beispiel ein deutlicher Hinweis darauf, dass Bakterien nicht das Problem sein können. Ich kenne allerdings nur sehr sehr wenige Kinderärzte, die sich darüber Gedanken machen.

Nächstes Beispiel: Blasenentzündung: Auch bei einer Blasenentzündung wird fast immer scheinbar schon "reflexartig" ein Antibiotikum verordnet. Dabei ist nur in der Hälfte aller Fälle das Bakterium Escherichia Coli vorhanden. Bevor wir zum nächsten Punkt übergehen... Können Sie folgende Frage beantworten:

Wenn Bakterien wie Escherichia Coli für Blasenentzündungen verantwortlich sein sollen - und wenn Frauen häufiger Blasenentzündungen haben sollen, weil ihre Harnröhre kürzer ist als beim Mann...

Warum haben dann Säuglinge die eine Windel tragen so selten eine Blasenentzündung? Schließlich liegen die ja in ihrem eigenen Kot, in dem es von diesen Bakterien nur so wimmelt?

Wenn Sie hierzu eine Antwort haben: hinterlassen Sie diese doch bitte im Kommentar im Blog unter: Blasenentzündung und Antibiotika

Die Nebenwirkungen der Antibiotika

Viele Ärzte machen sich leider zu wenige Gedanken um die Folgen einer häufigen Antibiotikatherapie. Allgemein wird "geglaubt", dass die Nebenwirkungen sich nur auf ein paar Magenprobleme, Darmprobleme oder eine Penicillinallergie beschränkt.

Aber ein Blick in entsprechende Studien zeigt wesentlich gefährlichere Nebenwirkungen der Antibiotika, wie zum Beispiel Gelbfärbung der Zähne bei Kindern (Tetracycline), Leberfunktionstörungen (Neomycin), Knochenmarksdepression (Chloramphenicol) oder auch Herzversagen (Clarithromycin).

Beispiel: Clarithromycin schädigt die elektrische Aktivität des Herzens. Clarithromycin ist ein Makrolid-Antibiotikum, das für die Behandlung von bakteriellen Infektionen verschrieben wird. Nun zeigen Untersuchungen von dänischen Forschern, dass im Vergleich zu anderen Antibiotika vor allem die Einahme von Clarithromycin das Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben, drastisch erhöht. Die Wissenschaftler analysierten fünf Millionen Verschreibungen von Antibiotika, darunter Clarithromycin, Penicillin V und Roxithromycin . In dem 14 Jahre dauernden Studienzeitraum starben unter der Behandlung von Clarithromycin 37 Patienten von einer Million Behandlungsfällen an Herzversagen. (Quelle: http://www.bmj.com/content/349/bmj.g4930)

Ein besonders "übler" Vertreter sind zum Beispiel auch die Fluorchinolone. Wie es aussieht, haben die Fluorchinolone derart schwere Nebenwirkungen, die selbst für Antibiotika untypisch sind. Dazu gehören lebenslange Schädigungen des Organismus und sogar das vorzeitige Ableben der betroffenen Patienten. Eine Experte zur Verordnung in einem Interview mit der New York Times: „Dies machen faule Ärzte, die versuchen, eine Fliege mit einem Maschinengewehr zu erlegen“; gemeint ist natürlich die massenhafte Verordnung...

Die Probleme der Antibiotikatherapie

Nebenwirkungen wie eben beschrieben könnten wir noch abtun unter: "Wo gehobelt wird fallen Späne" - und da bleibt dann halt auch mal der ein oder andere Patient auf der Strecke.

Wirklich bedenklich ist die Art und Weise, wie Antibiotika das Immunsystem selbst beeinflussen.

1. Langfristige Probleme weitgehend unbekannt

Wir kennen kaum die langfristigen Auswirkungen einer wiederholten Antibiotikatherapie. Das Beispiel der Mittelohrentzündungen bei Kindern (weiter oben) zeigt, dass die Erkrankungen nicht WENIGER, sondern MEHR wurden. Leider werden diesbezüglich überhaupt keine Studien durchgeführt. Eine Veröffentlichung im Canadian Medical Association Journal im Jahr 2011 zeigte aber zum Beispiel, dass das Antibiotikum Trimethoprim-Sulfamethoxazol oder Cotrimoxazol (das zum Beispiel unter dem Handelsnamen Septra oder Bactrim verkauft wird), eine Reihe von lebensbedrohlichen Reaktionen, wie z.B. Nierenversagen und Hypoglykämien (zu niedriger Blutzuckerspiegel) verursachen kann. Diese gravierenden Nebenwirkungen rückten erst 2011 durch die Veröffentlichung ins Bewusstsein. Das ist umso erstaunlicher, da dieses Mittel eins der am meisten eingesetzten ist / war und bereits seit 1968 auf dem Markt ist.

Solche Analysen sind relativ selten (meines Wissens jedenfalls). Darüber hinaus gibt es auch Vermutungen, dass zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen der vermehrten Antibiotikagabe und dem Syndrom der Hyperaktivität bei Kindern bestehen könnte. Mehr zum Thema im Artikel des Naurheilkunde-Blog: Zu viele Antibiotika für Kinder?

Meine Kollegin Frau Marlene Kunold geht noch auf eine ganz andere Problematik ein: Die Wrikung der Antibiotika auf die Mitochondrien. Mitochondrien (Sie erinnern sich), sind die kleinen Zellkraftwerke im inneren jeder Zelle. Diese Mitochondrien werden ebenfalls durch bestimmte Antibiotikagruppen geschädigt. Die Folge: Energielosigkeit. Das ist genau das, was zahlreiche Patienten nach einer Antibiotikatherapie beschreiben. Warum das so ist, beschreibt Frau Kunold sehr gut im Beitrag: Von Mitochondrien, Antibiotika, Licht und dem Aussterben der menschlichen Rasse.

2. Zunahme chronischer Krankheiten

Wußten Sie, dass bereits das drei oder vier Antibiotikatherapien Sie in eine CHRONISCHE KRANKHEIT befördern können?

Das wirkliche Problem der Antibiotikatherapie ist, dass Antibiotika nicht zwischen "bösen" und "guten" Bakterien unterscheiden. In Ihrem Darm leben aber Milliarden von Bakterien, auf deren Hilfe Sie angewiesen sind.

Nach einigen Antibiotikatherapien ist Ihre Bakterienkultur im Darm mehr oder weniger "ruiniert". Danach übervölkern Pilze wie zum Beispiel Candida Albicans und andere Hefeformen und Schimmelpilze den Darm. Lesen Sie hierzu mehr unter dem Stichwort: Darmpilze. Häufig leiden auch viele Frauen in der Folge auch an einem Scheidenpilz.

Die Gifte die diese Pilze produzieren und aussenden, können u.a. die T-Lymphozyten hemmen. Die T-Lymphozyten sind die wichtigsten "Suchen-und-Zerstören-Zellen" in Ihrem Körper.

Die Schwächung dieses Systems hat eine weitreichende Folgen! Magenprobleme und Darmprobleme sind noch die geringsten Probleme.

Gravierender sind Hormonstörungen, Allergien, Schuppenflechte oder Multiple Sklerose. Weitere Probleme im Zusammenhang mit Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Reizdarm und Krebsleiden werden diskutiert.

Wenn Sie Ihren Arzt auf diese Zusammenhänge ansprechen werden Sie in den allermeisten Fällen nur ein "Kopfschütteln" ernten.

Aber es gibt auch Lichtblicke: Im Jahr 2003 hatte ich eine Unterhaltung mit dem Chefarzt einer Uni-Kinderklinik. Seine Maßgabe zur Antibiotikatherapie: Kinder bis 14 Jahren sollten Antibiotika grundsätzlich nur als Infusion erhalten, wegen der gravierenden Nebenwirkungen bezüglich der Darmflora.

Diese Empfehlung steht leider im krassen Gegensatz zu dem was in den allermeisten Kinderarztpraxen passiert...

3. Antibiotika-Resistenzen

Immer mehr Erreger entwickeln immer schneller Resistenzen gegen gängige Antibiotika.

So befürchtet der schwedische Mediziner Otto Cars, Universität Uppsala, einen Rückfall in die Zeiten vor Entdeckung der Antibiotika; komplizierte und umfangreiche Operationen wie auch Organtransplantationen oder Krebstherapien wären ohne wirksame Antibiotika nicht länger möglich.

Des Weiteren kritisiert Cars im British Medical Journal die fehlende Neuentwicklung wirksamer Antibiotika: Während zwischen 1930 und 1970 mehr als zwölf neue Wirkstoffklassen den Markt erreicht hätten, hätte man sich seit den 1970ern auf lediglich zwei Wirkstoffklassen beschränkt.

Es wird immer dramatischer: Auch die "letzte Chance", das Antibiotikum Vancomycin wirkt möglicherweise nicht mehr. Bislang galt das Vancomycin so etwas wie letzte Chance bzw. als sogenanntes Letztmittel, bei der vor allem in Krankenhäusern auftretenden Infektion MRSA. Allerdings sind diese Tage möglicherweise vorbei: Aus Brasilien wurde schon 2012 im Blut eines Patienten ein Infektionskeim von MRSA nachgewiesen, der sich mit Vancomycin nicht behandeln ließ. Dies allein würde schon ausreichen um sich Sorgen zu machen. Doch die Schlagzeilen Anfang 2014 aus Brasilien sind noch einmal weit dramatischer. Der Patient aus dem Jahr 2012 (mit dem resistenten Keim) ist demnach kein Einzelfall – ganz im Gegenteil scheint es so zu sein, dass er in der Bevölkerung weit verbreitet ist. So hat sich der Mann nicht im Krankenhaus mit dem Keim infiziert, sondern sich diesen von außerhalb zugezogen. Dies dürfte dazu führen, dass sich der resistente Stamm bald über über die Landesgrenzen hinweg ausbreiten wird – wenn dies nicht schon längst geschehen ist.

Da es so häufig zu Resistenzen kommt, suchen Wissenschaftler nach neuen Methoden, um uns vor Bakterien zu schützen. Recht vielversprechend scheinen bestimmte antimikrobielle Peptide zu sein, die von Ameisen gegen die Bakterien eingesetzt werden. Die Rossameisen (Camponotus floridanus) besitzt drei Gene, aus denen solche antimikrobiellen Eiweißmoleküle abgelesen werden können. Das besondere ist aber eine sich wiederholende Struktur des einen Gens, das durch ein unterschiedliches Lesemuster die Baupläne von sieben verschiedenen Peptiden enthält. Bei anderen Ameisenarten lassen sich aus einem Gen sogar 23 unterschiedliche Peptide ableiten (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22912782).

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch die verschiedenen Baupläne das Wirkspektrum gegenüber verschiedenen Bakterienstämmen extrem hoch ist.

Die Forscher hoffen nun, in Zukunft Bakterien mit solchen antimikrobiellen Peptiden (statt mit klassischen Antibiotika) bekämpfen zu können.

Worin liegt die Ursache für eine derart beschleunigte Resistenzentwicklung gegen Antibiotika?

1. Illegaler Verkauf von Antibiotika

Dr. Cars sieht die Hauptgründe in der extensiven Verordnung und dem überdies weltweit illegalen Verkauf von Antibiotika - eine Problematik, die Politik und Gesetzgebung viel zu wenig kümmere. Neben gesetzlicher Regelungen der Verschreibung fordert der Schwede eine vermehrte Verbraucheraufklärung. Ziel: Eine massive Verringerung individueller Antibiotika-Einnahme.

2. Zu viele Antibiotika

Weiter oben hatte ich schon etwas dazu geschrieben. Laut einer Salzburger Studie werden nicht nur zu viele Antibiotika, sondern generell viel zu viele Medikamente verschrieben, so Autor Martin Rümmele in seinem Artikel „Die große Medikamenten-Flut“ im österreicher STANDARD vom 19. April 2009. (http://derstandard.at/1237230172548/Arzneimittel-Die-grosse-Medikamenten-Flut)

Die Folge: Stetig steigende Arzneimittelkosten.

So die Geschichte eines 78-jährigen Mannes, bei dem aufgrund seiner unruhigen Beinbewegungen und zappelnden Füße Parkinson diagnostiziert wurde. Ein zweiter Arzt kann die Parkinsondiagnose seines Kollegen nicht bestätigen. Eine konkrete Ursache für die Symptome des Rentners kann nicht ermittelt werden. Dennoch nimmt der Mann inzwischen fünf verschiedene Medikamente, darunter Mittel gegen Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und Psychopharmaka. Unter Einfluss der starken Medikation leidet der 78-jährige nun an Verwirrungszuständen, so dass sich der Hausarzt genötigt sieht, eine Demenz zu diagnostizieren. Der Sohn des Rentners möchte sich damit nicht abfinden: Er konsultiert weitere Ärzte, die zum Absetzen der starken Medikamente raten, worauf sich die Situation schlagartig bessert. Der Sohn kritisiert das Gesundheitssystem scharf: Es mache die Menschen krank. Ältere Menschen, die keinen aufmerksamen Ansprechpartner hätten, seien ärztlicher Willkür nahezu schutzlos ausgeliefert.

Falls Sie aber jetzt denken, dass das Problem "Antibiotika" weiter in das Bewußtsein der Ärzte gedrungen sei und diese deswegen weniger verordnen würden: weit gefehlt! Denn wie Forscher in einer Studie des „University College London“ herausgefunden haben, verschrieben Hausärzte in Großbritannien ihren Patienten im Zeitraum von 1999 bis 2011 sogar bis zu 40 % mehr Antibiotika! Mehr dazu in meinem Beitrag: TOLL! Ärzte verschreiben noch mehr Antibiotika.

3. Mehrfachgabe von Medikamenten

Die Mehrfachgabe von Medikamenten wird Polypharmakotherapie genannt. Medikamentenkaskaden mit gleichzeitiger Einnahme von bis zu zehn Präparaten gleichzeitig scheinen üblich und unvermeidlich: Da viele Medikamente Nebenwirkungen haben, werden weitere Mittel zur Behandlung der Nebenwirkungen gegeben, statt Alternativen zum Ursprungsmedikament zu prüfen.

Im Rahmen einer Studie untersuchten der Kardiologe und Intensivmediziner Jochen Schuler und sein Team an der Paracelsus-Universität Salzburg über 500 ältere, zumeist pflegebedürftige Menschen mit häufiger Krankenhauserfahrung. Je mehr Krankenhausaufenthalte, desto höher die Zahl der verordneten (bei über 36 Prozent der Patienten oftmals völlig unnötigen) Medikamente. Bei über 30 Prozent waren die Medikamente überdies für ältere Patienten ungeeignet, und man stellte Fehldosierungen von mehr als 23 Prozent sowie potentielle Arzneimittel-Interaktionen von über 65 Prozent fest.

4. Der exorbitante Einsatz von Antibiotika in der Tiermast

Schätzungen zu Folge werden bis zu 80% der Antibiotika in der Tiermast eingesetzt. Denn: das Immunsystem der zusammengepferchten Tiere ist derart schwach, dass mir Insider sagten: "Ohne Antibiotika geht hier gar nichts." Es gibt nur Schätzungen zu dem Vebraucher, weil offizielle Register des Nachweises fehlen. 2005 wird der Verbrauch auf ca. 800 bis 900 Tonnen Antibiotika geschätzt. 2010 auf bereits 1000 Tonnen.

In neun von zehn Praxen, in denen ein Landwirt den Tierarzt um eine Flasche Penizillin bittet, bekommt ein Tierhalter das Medikament sofort - auch ohne Untersuchung', sagte Rupert Ebner, ehemaliger Vizepräsident der bayerischen Landestierärztekammer, der Süddeutschen Zeitung. [...] Finde ein Tierarzt unter 30 000 Küken ein krankes Tier, reiche das, um alle Tiere vorsorglich mit Antibiotikum zu behandeln. 'Oft schreibt der Tierarzt sogar bewusst eine falsche Diagnose aufs Papier, um eine legale Anwendung mit dem Antibiotikum vorzutäuschen.' Ebner ist praktizierende Tierarzt mit 30 Jahren Berufserfahrung und kennt die Gepflogenheiten seiner Branche. Vor zweieinhalb Jahren warf er seinen Job bei der Landestierärztekammer hin, weil er dem nicht mehr zusehen wollte.
(sueddeutsche.de/e5438Q/192561/Vollgestopft-mit-Antibiotik.html)

Besonders gravierend ist es in der Geflügelmast. Zwar gelangen immer mehr Berichte über die unhaltbaren Zustände in der Geflügelmast an das Tageslicht jedoch setzen diese dem Verbrauch an Geflügelfleisch in der Bundesrepublik kein Ende. Offiziellen Schätzungen nach konsumiert jeder Bundesbürger im Jahr circa 11 Kilogramm Geflügelfleisch. Was den Einsatz von Arzneimitteln wie beispielsweise Antibiotika in der Geflügelmast angeht, lassen sich jedoch nur vage Vermutungen anstellen. Aus diesem Grund fordern Politiker eine verbesserte Dokumentation über den Einsatz von Arzneimitteln in der Geflügelmast.

Zwar wird seit dem 1. Januar 2011 auf einen Gesetzesbeschluss hin die Auslieferung von Arzneimitteln dokumentiert jedoch genießt die Geflügelindustrie einen besonderen Schutz. Begründet mit einem verstärkten Datenschutz soll diese Regelung nun jedoch auf Antrag gekippt werden. Experten jedoch vermuten einen starken Einfluss seitens der Geflügellobby, welche verstärkt auf den Einsatz von Antibiotika in Mastbetrieben mit mehr als 100.000 Tieren besteht.

Nur so wird nach Meinung der Verantwortlichen die Ausbreitung gefährlicher Seuchen verhindert. Die Krise in der Geflügelmast hat mittlerweile aber auch das Landwirtschaftsministerium erreicht. Schätzungen zur Folge stieg die Zahl der Behandlungen mit Antibiotika wie beispielsweise Penicillin oder Neomycin von durchschnittlich 1,7 Behandlungen pro Mastgang auf 2,3 Behandlungen pro Mastgang. Aussagen von Amtstierärzten nach werden teilweise sogar sechs Behandlungen pro Mastgang verzeichnet. Ein Mastgang umfasst bei Hähnchen ca. 30 Tage.

Als Ziel der Behandlungen mit Antibiotika setzen sich die Mastbetriebe neben einer Verlängerung der Lebensdauer der Zuchttiere vor allem deren Wachstumsförderung. Und das, obwohl der Einsatz von Medikamenten zur Förderung der Mastleistung bereits seit 2006 in der gesamten EU verboten ist.

Das scheint vielen Züchtern und Landwirten jedoch egal zu sein. Eine Ausbreitung der Keime auf den Menschen und das hieraus resultierende Risiko lebensgefährlich oder sogar tödlich zu erkranken wird seitens der Züchter hierbei jedoch außer Betracht gelassen. Die besonders gefürchteten MRSA Erreger wurden nämlich laut eines Berichts des Bundesinstituts für Risikobewertung in 25% des verkauften Hühnerfleischs und in 43% des Putenfleischs gefunden. In 52% aller Schweineställe wurden MRSA Erreger nachgewiesen.
(bfr.bund.de/cm/343/menschen_koennen_sich_ueber_den_kontakt_mit_nutztieren_mit_mrsa_infizieren.pdf)

Tendenziell zeichnet sich aber schon jetzt ein immer weiter wachsender Einsatz von Arzneimitteln in der Geflügelmast ab. Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag: Eier-Tanz um Antibiotika-Hühner.

Bei Bodenproben in den USA haben Forscher außerdem auch bei harmlosen Bakterien viele Resistenzgene gegen Antibiotika nachweisen können, und zwar solche, die mit denen gefährlicher Krankheitskeime absolut identisch sind.

Wie kann das sein? Bakterien sind in der Lage zum Gentranfer. Das heißt, dass die Mikroorganismen ihr Erbgut auf andere Bakterien übertragen können. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass die resistenten Krankheitserreger beispielsweise mit der Gülle in das Erdreich gelangen und hier auch die harmlosen Bodenbakterien widerstandfähig gegen Antibiotika machen.

Als Grund dafür, warum die Bodenbakterien die Resistenzgene benötigen, sehen die Wissenschaftler die zunehmende Verunreinigung der Böden und des Wassers mit den Arzneimitteln an. Denn die Bodenbakterien überleben nur, wenn sie über die Resistenzen verfügen. „Man kann das Problem nur verringern, indem man den Bodenbakterien weniger Antibiotika zumutet“, sagt der Autor des Fachartikels Kevin Forsberg in einem Podcast, „denn dann haben die Bakterien weniger Anlass, mit Resistenz-Genen zu handeln.“

Die zunehmenden Resistenzen auch in harmlosen Bakterien können verschiedene weitreichende Folgen auch für den Menschen haben: Zum einen können sich – durch einen erneuten Gentransfer – auch bei den Krankheitserregern weitere Resistenzen ausbilden. Zum anderen ist nicht auszuschließen, dass die Bodenbakterien durch ihre Resistenzen bald ebenfalls prächtig in Krankenhäusern überleben können. Und dann sind sie selbstverständlich nicht mehr harmlos (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22936781).

Und da wundern wir uns, dass Antibiotika immer seltener wirken?

Die Auswirkungen dieser "Vielverschreibung" sind jedenfalls katastrophal: 30.000 Patienten sterben in Deutschland an einer Krankenhausinfektion jährlich, weil Ihnen kein Antibiotikum mehr hilft. 30.000 Patienten. In der Europäischen Union. Nicht Indien, nicht Afrika. Deutschland. Ein Land das stolz ist auf die Errungenschaften der modernen Schulmedizin.
(Quelle: dpa dpa/APOTHEKE ADHOC, Montag, 09. Mai 2011, Ärzteblatt: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45747/
Bis_zu_30_000_Tote_pro_Jahr_durch_Krankenhausinfektionen.htm)

Zahlreiche Forscher warnen inzwischen vor multiresistenten Superkeinem, wie zum Beispiel die US-amerikanischen Mikrobiologen Arias und Murray von der Universität Texas (zu lesen im New England Journal of Medicine).

Auch Jörg Hacker, designierter Leiter des Robert Koch-Instituts, sieht die MRSA-Keime (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) mit äußerster Besorgnis.

Sich ihrem Umfeld perfekt anpassende Keime wie E.coli, Staphylococcus Aureus oder auch Pseudomonas Aeruginosa vermehren sich in rasantem Tempo, quasi in Minutenschnelle. Und sie tauschen nicht nur ihr Genmaterial untereinander aus, sondern mutieren ungewohnt schnell und häufig in Richtung Resistenzverstärkung: Der Keim, der Antibiotika-Behandlungen unbeschadet übersteht, gibt naturgemäß sein Erbgut besonders gern an weitere Generationen von Bakterien weiter.

Die interessante Frage ist: Wie stellen diese Bakterien das an?

Entweder sorgt das Bakterium selbst über seine Efflux-Pumpen dafür, dass das Medikament die Zelle wieder verlässt. Oder das Antibiotikum schafft es gar nicht erst durch die Zellwände. Bakterien verändern die Zellwandproteine oder die DNA selbst oder machen den Wirkstoff über Enzyme wirkungslos.

Der für manche Lungenentzündung und schwere Sepsis verantwortliche Staphylococcus Aureus tummelt sich vermehrt auf den Intensivstationen der Krankenhäuser und kann sogar über Super-Antibiotika wie Vancomycin nicht immer erfolgreich bekämpft werden. Gleiches gilt für den immer schwieriger werdenden Kampf gegen Enterokokken, die ebenfalls eine Sepsis (Blutvergiftung) auslösen können. Bei Pseudomonas und Coli-Bakterien lässt sich Ähnliches beobachten. Da stellt sich mittlerweile auch manchem Patienten schon die Frage:

Deutsche Kliniken – Ideale Brutstätten für gefährliche Keime?

Patienten auf Intensivstationen, aber auch auf normalen Stationen und in Ambulanzen sind doppelt benachteiligt: Bereits immungeschwächt, sehen sie sich einer erhöhten Konzentration an resistenten Keimen gerade an Orten ausgesetzt, die eigentlich ihre Genesung befördern sollten.

Für Gesunde, etwa Ärzte, Krankenschwestern oder Pfleger, entsteht durch die Besiedelung von Schleimhäuten durch Superkeime üblicherweise kein Problem. Bei Kranken hingegen führt die Übertragung der Keime zu Lungenentzündungen, Herzmuskelentzündungen, Blutvergiftungen und Wundinfektionen sowie Harnwegsinfektionen.

Die Hygiene in vielen Krankenhäusern lässt anscheinend zu wünschen übrig, dass der Herausbildung von besonders gravierenden Resistenzen Tür und Tor geöffnet scheint: Jährlich infizieren sich deutschlandweit fast eine Million Krankenhauspatienten mit resistenten Keimen; über 30.000 Patienten sterben an den Folgen dieser unerträglichen, schwer kalkulierbaren Bedingungen. Noch vor wenigen Jahren wurden die "offiziellen" Todesfallzahlen mit 1.500 angegeben.

Und falls Sie sich fragen, wo sich diese Keime überall befinden, dann lesen Sie meinen Beitrag dazu unter: Hygiene pur - und doch von Mirkoben umringt. Aber Vorsicht: der Beitrag ist nichts für Hypochonder und schwache Nerven.

Die gängige Verschreibungspraxis - ohne Maß und Ziel

Fluorchinolone-basierte Medikamente wirken ebenfalls nicht mehr, nachdem sie exzessiv verordnet wurden. Hinzu kommt die unsinnige Verschreibungspraxis bei Atemwegsinfektionen: Antibiotika wirken nun einmal nicht gegen viral bedingte Erkrankungen, doch viele Hausärzte verschreiben diese weiter prophylaktisch mit dem Argument, man wolle dem geschwächten Organismus nicht auch noch eine mögliche bakterielle Infektion zumuten.

Diese maßlose Verabreichung von Antibiotika (im Jahr 2007 wurden Antibiotika für den stolzen Betrag von 808 Millionen Euro verordnet, Privatversicherte und Kliniken nicht eingerechnet) manifestiert sich nun in der zügellosen Vermehrung multiresistenter Keime.

Dies belegen auch die Studien zur Resistenzentwicklung, geleitet durch den Infektologen Dr. Winfried Kern, Uniklinik Freiburg (in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und der Paul-Ehrlich-Stiftung)

Mehr dazu auch im bereits oben erwähnten GERMAP 2008 Report.

Was die Zukunft bringt

Ärzten bleibt nun nur die Wahl zwischen „Pest und Cholera“: Sie können einmal resistente Erreger mittels älterer Medikamente bzw. hochwirksamen Reserveantibiotika zu bekämpfen suchen oder kostenintensive, neu entwickelte Substanzen wählen, deren effektive Wirkungstage schon zum Zeitpunkt ihres Markteintritts gezählt sind. Da stellt sich dann auch die Frage:

Weshalb wird nur halbherzig in die Erforschung neuer Substanzen investiert? Die Antwort scheint einfach: Mit Antibiotika, die per se nur über einen vergleichsweise kurzen Behandlungszeitraum eingesetzt werden, lässt sich kaum Geld verdienen.

Interessanter scheinen da schon Viren zu sein. Viren sind nach der Ansicht von Forschern (Quelle: PloS Pathogens, 2014; 10: e1004228) möglicherweise die Antwort, um die wachsende Unwirksamkeit von Antibiotika, die durch das Auftreten von resistenten Bakterien („Superbugs“) hervorgerufen wird, zu bekämpfen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Phagen. Bei jenen handelt es sich um einen speziellen Virus, der so modifiziert werden kann, dass er die Fähigkeit besitzt, gezielt spezielle Bakterien zu vernichten. Forschern aus Polen und Georgien gelang dies bereits vor rund 100 Jahren erstmals, als sie 1919 den Ausbruch von Typhus wirksam mit dem Virus bekämpften. Die Phagen können in der Natur überall gefunden werden und besitzen die Fähigkeit, auf eine bestimmte genetische Signatur von Bakterien angesetzt zu werden, um jene als „Smart Bomb“ zu vernichten. Bislang konzentrierten sich die aktuellen Forschungen allerdings darauf, die Phagen gegen die Bakterien einzusetzen, die für Lebensmittelvergiftungen verantwortlich sind. Dies soll sich nun ändern: In Hamburg wurde der Virus erstmals gegen das Clostridium difficile-Bakterium eingesetzt, das auf Antibiotika nicht mehr anspricht. Weitere Testreihen mit ähnlicher Ausrichtung sollen folgen.

Was wäre also zu tun?

An neuen Richtlinien zur Krankenhaushygiene wird bereits gearbeitet.

Als Alternative bleiben dann noch Naturheilmittel mit antibiotischer Wirkung, wie zum Beispiel Senföl oder Korianderöl - oder auch Umbkaloabo könnten eine Alternative sein, die auch von der Schulmedizin mit wachsendem Interesse betrachtet wird.

So konzentriert sich die Pharmaindustrie derzeit u. a. darauf, im brasilianischen Regenwald nach phytotherapeutisch verwertbaren Pflanzen mit keimtötenden Wirkstoffen zu suchen.

Ein spezifischer Vorteil pflanzlicher Antibiotika gegenüber konventionellen Antibiotika besteht darin, dass sich ihre vielfältigen pflanzlichen Inhaltsstoffe wechselseitig in ihrer Wirkungsweise unterstützen, während letztere nur einen Wirkstoff beinhalten.

Angesichts von Wirkstoffkombinationen haben es Erreger naturgemäß schwer, echte Resistenzen zu entwickeln. Naturwirkstoffe lassen sich außerdem hervorragend vorbeugend einsetzen, wie im Fall des erwähnten Senföls, das sich bei wiederkehrenden Infekten der Harnwege bewährt hat, ohne dass bislang Resistenzen bekannt wären.

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Weitere Themen im Zusammenhang mit Antibiotika: Viruserkrankung - Streptokokkeninfektion - Antibiotikaresistenz - Rekonvaleszenz

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 8.9.2014 aktualisiert.

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