Segen und Fluch der Antibiotika...
An den Antibiotika scheiden sich die Geister: die einen halten diese für einen Segen, andere meinen,
dass diese viel zu häufig verordnet werden und selbst Krankheiten produzieren. In diesem Beitrag stelle
ich unbequeme Fragen und gehe auf Fakten und Nebenwirkungen zu Antibiotika, sowie zu Alternativen
ein.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Eigentlich ist das Penizillin ein richtiges "Naturheilmittel", weil es aus den Wirkstoffen eines Pilzes gewonnen wird.
Leider wurde dieses "Wundermedikament" in den letzten 60 Jahren zu einem der am meisten "missbrauchten"
Mittel.
Dabei ist es ein Mittel, dass wirklich "gesund" machen kann - eine Tatsache, die mir von keinem weiterem
Medikament, dass in der Schulmedizin eingesetzt wird bekannt ist.
Wenn Sie ein Medikament kennen, das wirklich "gesund" macht, schreiben Sie mir bitte! Alle anderen Medikamente
behandeln nur Symptome.
Bevor ich mich in diesem Beitrag den Problemen und der Alternativen der Antibiotika zuwende, möchte ich Ihnen
kurz beschreiben, was Antibiotika eigentlich sind. Häufig hört man nämlich im Zusammenhang mit Antibiotika auch
auch etwas von "Sulfonamiden" oder zum Beispiel von "Gyrasehemmern". Also:
Was sind Antibiotika?
Der Begriff Antibiotika stammt aus dem altgriechischen und bedeutet übersetzt: gegen das Leben. Dem gegenüber
stehen Probiotika: "für das
Leben"
Ein Antibiotikum ist ein Medikament, das zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten verwendet wird. Es
handelt sich dabei um niedermolekulare Stoffwechselprodukte, die von Bakterien oder Pilzen natürlich gebildet
werden. Gegen Virusinfektionen sind Antibiotika nutzlos.
Letztlich haben Antibiotika nur eine Aufgabe: Das Hemmen oder Töten von Mikroorganismen.
Die Wirkung von Antibiotika wird in drei Arten unterschieden:
Bei der primär bakteriziden Art werden die Bakterien "getötet", auch in der Ruhephase, wenn sich
die Bakterien nicht teilen. Hierzu gehören die Aminoglycoside (z.B. Gentamycin, Streptomycin) und die Gyrasehemmer
(z.B. Ciprofloxacin).
Die sekundär bakteriziden Antibiotika können die Bakterien nur während der Zellteilung der
Bakterien töten. Hierzu gehören die Beta-Lactam Antibiotika (Penicilline und Cephalosporine), sowie Glycopeptid-Antibiotika (z.B.
Vancomycin).
Bei der bakteriostatischen Wirkweise werden die Bakterien, an ihrer Vermehrung gehindert (z.B.:
Makrolide, Sulfonamide, Chloramphenicol, Tetrazykline, Trimethoprim u.a.)
Zu viele Antibiotika...
Ein Problem der Antibiotika ist schlicht und ergreifend ein ZU VIEL. Frei nach dem Motto: viel hilft viel,
wurden seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts Antibiotika gegen alles und jeden verordnet.
Zum Antibiotikaverbrauch empfehle ich auch den GERMAP 2008 Report: Bericht über den Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von
Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland
Bereits in den 80er Jahren wurde in den USA u.a. festgestellt, dass in der Hälfte der Fälle:
- ein Antibiotikum nicht notwendig war
- das falsche Antibiotikum verschrieben wurde oder
- die Dosierung des Antibiotikums falsch verordnet wurde

Antibiotika wirken nicht...
Das Hauptproblem neben dem "zuviel" und auch den falschen Verordnungen ist, dass Antibiotika gegen Krankheiten verschrieben werden, gegen die Antibiotika gar nicht
wirken.
Trotzdem werden Antibiotika gegen alle möglichen Infektionen verschrieben,
obwohl bereits Medizinstudenten im ersten Semester WISSEN, dass Antibiotika gegen Viren NICHT WIRKEN.
Die häufigsten Infektionskrankheiten mit denen wir konfrontiert werden sind aber Erkältungen und Infektionen der Atemwege. Bei Kindern werden
bei einer Mittelohrentzündung fast immer von den Ärzten ein Antibiotikum
verordnet - OBWOHL die allermeisten Fälle von alleine ausheilen. Trotz der Menge von Antibiotika die verordnet
werden, haben die Fälle von Mittelohrentzündung bei Kindern zugenommen, vor allem bei Kindern unter drei
Jahren.
Schuld sind nicht nur die Ärzte an dieser Entwicklung, die bei jeder Art von Entzündung erst einmal ein Antibiotikum verordnen - sozusagen "für alle
Fälle"; denn: schließlich will man ja eine Hirnhautentzündung bei den Kindern (als mögliche Komplikation)
verhindern.
Jahrzehnte der "Drohmedizin" nach dem Motto: "Wenn Sie das nicht ihrem Kind geben, handeln Sie grob fahrlässig"
und Appelle in der Art wie: "Wollen Sie nicht das Beste für Ihr Kind?" haben auch die Mütter "erzogen".
Und so sind es heute auch die Mütter, die in der Praxis sitzen und für Ihr Kind ein Antibiotikum wollen.
Antibiotika zur "Beruhigung" der Patienten...
Im Folgenden zwei Beispiele von Erkrankungen, die ich öfter in der Praxis sehe: Die Mittelohrentzündung bei
Kindern und die Blasenentzündung bei Erwachsenen.
1991 titelte eine Ärztezeitschrift (das MIMS Magazin in den USA) mit der Überschrift:
"Otitis Media: Können Sie aufhören Rezepte nur wegen der Mutter zu verschreiben?"
Ein Problem ist, dass viele Ärzte Antibiotika verordnen, BEVOR sie WISSEN, dass es wirklich notwendig ist.
Zum Beispiel ist gar nicht sicher erwiesen, dass Bakterien die Ursache einer Mittelohrentzündung sind. Studien
zeigen, dass in 75% aller Fälle eine wiederholte Antibiotikatherapie die Bakterien "töten", aber nicht die
Flüssigkeit im Mittelohr beseitigen kann. Das ist zum Beispiel ein deutlicher Hinweis darauf, dass Bakterien nicht
das Problem sein können. Ich kenne allerdings nur sehr sehr wenige Kinderärzte, die sich darüber Gedanken
machen.
Nächstes Beispiel: Blasenentzündung: Auch bei einer Blasenentzündung wird fast immer scheinbar schon "reflexartig" ein Antibiotikum
verordnet. Dabei ist nur in der Hälfte aller Fälle das Bakterium Escherichia Coli vorhanden. Bevor wir zum nächsten
Punkt übergehen... Können Sie folgende Frage beantworten:
Wenn Bakterien wie Escherichia Coli für Blasenentzündungen verantwortlich sein sollen - und wenn Frauen
häufiger Blasenentzündungen haben sollen, weil ihre Harnröhre kürzer ist als beim Mann...
Warum haben dann Säuglinge die eine Windel tragen so selten eine Blasenentzündung? Schließlich
liegen die ja in ihrem eigenen Kot, in dem es von diesen Bakterien nur so wimmelt?
Wenn Sie hierzu eine Antwort haben: hinterlassen Sie diese doch bitte im Kommentar im Blog unter: Blasenentzündung und Antibiotika

Die Nebenwirkungen der Antibiotika
Viele Ärzte machen sich leider zu wenige Gedanken um die langfristigen Folgen einer häufigen
Antibiotikatherapie.
Allgemein wird "geglaubt", dass die Nebenwirkungen sich nur auf ein paar Magenprobleme,
Darmprobleme oder eine Penicillinallergie beschränkt.
Aber ein Blick in entsprechende Studien zeigt wesentlich gefährlichere Nebenwirkungen der Antibiotika, wie zum
Beispiel Gelbfärbung der Zähne bei Kindern (Tetracycline), Leberfunktionstörungen (Neomycin),
Knochenmarksdepression (Chloramphenicol).
Die Probleme der Antibiotikatherapie
Nebenwirkungen wie eben beschrieben könnten wir noch abtun unter: "Wo gehobelt wird fallen Späne".
Wirklich bedenklich ist die Art und Weise, wie Antibiotika das Immunsystem selbst beeinflussen.
1. Langfristige Probleme weitgehend unbekannt
Wir kennen kaum die langfristigen Auswirkungen einer wiederholten Antibiotikatherapie. Das Beispiel der
Mittelohrentzündungen bei Kindern (weiter oben) zeigt, dass die
Erkrankungen nicht WENIGER, sondern MEHR wurden. Leider werden diesbezüglich überhaupt keine Studien
durchgeführt. Eine Veröffentlichung im Canadian Medical Association Journal im Jahr 2011 zeigte aber zum
Beispiel, dass das Antibiotikum Trimethoprim-Sulfamethoxazol oder Cotrimoxazol (das zum Beispiel unter dem
Handelsnamen Septra oder Bactrim verkauft wird), eine Reihe von lebensbedrohlichen Reaktionen, wie z.B.
Nierenversagen und Hypoglykämien (zu niedriger Blutzuckerspiegel)
verursachen kann. Diese gravierenden Nebenwirkungen rückten erst 2011 durch die Veröffentlichung ins
Bewusstsein. Das ist umso erstaunlicher, da dieses Mittel eins der am meisten eingesetzten ist / war und bereits
seit 1968 auf dem Markt ist.
Solche Analysen sind relativ selten (meines Wissens jedenfalls). Darüber hinaus gibt es auch Vermutungen, dass
zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen der vermehrten Antibiotikagabe und dem Syndrom der Hyperaktivität bei Kindern bestehen könnte.
(Mehr zum Thema im Artikel des Naurheilkunde-Blog: Zu viele Antibiotika für Kinder?)
2. Zunahme chronischer Krankheiten
Wußten Sie, dass bereits das drei oder vier Antibiotikatherapien Sie in eine CHRONISCHE KRANKHEIT befördern
können?
Das wirkliche Problem der Antibiotikatherapie ist, dass Antibiotika nicht zwischen "bösen" und "guten" Bakterien
unterscheiden. In Ihrem Darm leben aber Milliarden von Bakterien, auf deren Hilfe Sie angewiesen sind.
Nach einigen Antibiotikatherapien ist Ihre Bakterienkultur im Darm mehr oder weniger "ruiniert". Danach
übervölkern Pilze wie zum Beispiel Candida Albicans und andere Hefeformen und Schimmelpilze den Darm. Lesen Sie
hierzu mehr unter dem Stichwort: Darmpilze. Häufig leiden auch viele
Frauen in der Folge auch an einem Scheidenpilz.
Die Gifte die diese Pilze produzieren und aussenden, können u.a. die T-Lymphozyten hemmen. Die T-Lymphozyten
sind die wichtigsten "Suchen-und-Zerstören-Zellen" in Ihrem Körper.
Die Schwächung dieses Systems hat eine weitreichende Folgen! Magenprobleme und Darmprobleme sind noch die
geringsten Probleme.
Gravierender sind Hormonstörungen, Allergien, Schuppenflechte oder Multiple Sklerose. Weitere Probleme im
Zusammenhang mit Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa,
Reizdarm und Krebsleiden werden diskutiert.
Wenn Sie Ihren Arzt auf diese Zusammenhänge ansprechen werden Sie in den allermeisten Fällen nur ein
"Kopfschütteln" ernten.
Aber es gibt auch Lichtblicke: Im Jahr 2003 hatte ich eine Unterhaltung mit dem Chefarzt der Uni-Kinderklinik in
Kiel (sein Name ist mir leider entfallen). Sein Maßgabe zur Antibiotikatherapie: Kinder bis 14 Jahren sollten
Antibiotika grundsätzlich nur als Infusion erhalten, wegen der gravierenden Nebenwirkungen bezüglich der
Darmflora.
Diese Empfehlung steht leider im krassen Gegensatz zu dem was in den allermeisten Kinderarztpraxen
passiert...
3. Antibiotika-Resistenzen
Immer mehr Erreger entwickeln immer schneller Resistenzen gegen gängige Antibiotika.
So befürchtet der schwedische Mediziner Otto Cars, Universität Uppsala, einen Rückfall in die Zeiten
vor Entdeckung der Antibiotika; komplizierte und umfangreiche Operationen wie auch Organtransplantationen oder
Krebstherapien wären ohne wirksame Antibiotika nicht länger möglich.
Des Weiteren kritisiert Cars im British Medical Journal die fehlende Neuentwicklung wirksamer
Antibiotika: Während zwischen 1930 und 1970 mehr als zwölf neue Wirkstoffklassen den Markt erreicht hätten,
hätte man sich seit den 1970ern auf lediglich zwei Wirkstoffklassen beschränkt.
Da es so häufig zu Resistenzen kommt, suchen Wissenschaftler nach neuen Methoden, um uns vor Bakterien zu
schützen. Recht vielversprechend scheinen bestimmte antimikrobielle Peptide zu sein, die von Ameisen gegen die
Bakterien eingesetzt werden.
Die Rossameisen (Camponotus floridanus) besitzt drei Gene, aus denen solche antimikrobiellen Eiweißmoleküle
abgelesen werden können.
Das besondere ist aber eine sich wiederholende Struktur des einen Gens, das durch ein unterschiedliches Lesemuster
die Baupläne von sieben verschiedenen Peptiden enthält. Bei anderen Ameisenarten lassen sich aus einem Gen
sogar 23 unterschiedliche Peptide ableiten (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22912782).
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch die verschiedenen Baupläne das Wirkspektrum gegenüber verschiedenen
Bakterienstämmen extrem hoch ist.
Die Forscher hoffen nun, in Zukunft Bakterien mit solchen antimikrobiellen Peptiden – statt mit klassischen
Antibiotika – bekämpfen zu können.
Worin liegt die Ursache für eine derart beschleunigte Resistenzentwicklung gegen
Antibiotika?
1. Illegaler Verkauf von Antibiotika
Dr. Cars sieht die Hauptgründe in der extensiven Verordnung und dem überdies weltweit illegalen Verkauf von
Antibiotika - eine Problematik, die Politik und Gesetzgebung viel zu wenig kümmere. Neben gesetzlicher Regelungen
der Verschreibung fordert der Schwede eine vermehrte Verbraucheraufklärung. Ziel: Eine massive Verringerung
individueller Antibiotika-Einnahme.
2. Zu viele Antibiotika
Weiter oben hatte ich schon etwas dazu geschrieben. Laut einer Salzburger Studie werden nicht nur zu viele
Antibiotika, sondern generell viel zu viele Medikamente verschrieben, so Autor Martin Rümmele in seinem Artikel
„Die große Medikamenten-Flut“ im österreicher STANDARD vom 19. April 2009. (http://derstandard.at/1237230172548/Arzneimittel-Die-grosse-Medikamenten-Flut)
Die Folge: Stetig steigende Arzneimittelkosten.
So die Geschichte eines 78-jährigen Mannes, bei dem aufgrund seiner unruhigen Beinbewegungen und zappelnden
Füße Parkinson diagnostiziert wurde. Ein zweiter Arzt kann die
Parkinsondiagnose seines Kollegen nicht bestätigen. Eine konkrete Ursache für die Symptome des Rentners kann
nicht ermittelt werden. Dennoch nimmt der Mann inzwischen fünf verschiedene Medikamente, darunter Mittel gegen
Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und
Psychopharmaka. Unter Einfluss der starken Medikation leidet der 78-jährige nun an Verwirrungszuständen, so
dass sich der Hausarzt genötigt sieht, eine Demenz zu diagnostizieren. Der Sohn des Rentners möchte sich damit nicht abfinden:
Er konsultiert weitere Ärzte, die zum Absetzen der starken Medikamente raten, worauf sich die Situation
schlagartig bessert. Der Sohn kritisiert das Gesundheitssystem scharf: Es mache die Menschen krank. Ältere
Menschen, die keinen aufmerksamen Ansprechpartner hätten, seien ärztlicher Willkür nahezu schutzlos
ausgeliefert.
3. Mehrfachgabe von Medikamenten
Die Mehrfachgabe von Medikamenten wird Polypharmakotherapie genannt. Medikamentenkaskaden mit
gleichzeitiger Einnahme von bis zu zehn Präparaten gleichzeitig scheinen üblich und unvermeidlich: Da viele
Medikamente Nebenwirkungen haben, werden weitere Mittel zur Behandlung der
Nebenwirkungen gegeben, statt Alternativen zum Ursprungsmedikament zu prüfen.
Im Rahmen einer Studie untersuchten der Kardiologe und Intensivmediziner Jochen Schuler und sein
Team an der Paracelsus-Universität Salzburg über 500 ältere, zumeist pflegebedürftige Menschen mit häufiger
Krankenhauserfahrung. Je mehr Krankenhausaufenthalte, desto höher die Zahl der verordneten (bei über 36 Prozent der
Patienten oftmals völlig unnötigen) Medikamente. Bei über 30 Prozent waren die Medikamente überdies für ältere
Patienten ungeeignet, und man stellte Fehldosierungen von mehr als 23 Prozent sowie potentielle
Arzneimittel-Interaktionen von über 65 Prozent fest.
4. Der exorbitante Einsatz von Antibiotika in der Tiermast
Schätzungen zu Folge werden bis zu 80% der Antibiotika in der Tiermast eingesetzt. Denn: das Immunsystem der
zusammengepferchten Tiere ist derart schwach, dass mir Insider sagten: "Ohne Antibiotika geht hier gar nichts." Es
gibt nur Schätzungen zu dem Vebraucher, weil offizielle Register des Nachweises fehlen. 2005 wird der Verbrauch auf
ca. 800 bis 900 Tonnen Antibiotika geschätzt. 2010 auf bereits 1000 Tonnen.
`In neun von zehn Praxen, in denen ein Landwirt den Tierarzt um eine Flasche Penizillin bittet, bekommt ein
Tierhalter das Medikament sofort - auch ohne Untersuchung', sagte Rupert Ebner, ehemaliger Vizepräsident der
bayerischen Landestierärztekammer, der Süddeutschen Zeitung. [...] Finde ein Tierarzt unter 30 000 Küken ein
krankes Tier, reiche das, um alle Tiere vorsorglich mit Antibiotikum zu behandeln. 'Oft schreibt der Tierarzt sogar
bewusst eine falsche Diagnose aufs Papier, um eine legale Anwendung mit dem Antibiotikum vorzutäuschen.' Ebner ist
praktizierende Tierarzt mit 30 Jahren Berufserfahrung und kennt die Gepflogenheiten seiner Branche. Vor zweieinhalb
Jahren warf er seinen Job bei der Landestierärztekammer hin, weil er dem nicht mehr zusehen wollte.
(sueddeutsche.de/e5438Q/192561/Vollgestopft-mit-Antibiotik.html)
Besonders gravierend ist es in der Geflügelmast. Zwar gelangen immer mehr Berichte über die unhaltbaren Zustände
in der Geflügelmast an das Tageslicht jedoch setzen diese dem Verbrauch an Geflügelfleisch in der Bundesrepublik
kein Ende. Offiziellen Schätzungen nach konsumiert jeder Bundesbürger im Jahr circa 11 Kilogramm Geflügelfleisch.
Was den Einsatz von Arzneimitteln wie beispielsweise Antibiotika in der Geflügelmast angeht, lassen sich jedoch nur
vage Vermutungen anstellen. Aus diesem Grund fordern Politiker eine verbesserte Dokumentation über den Einsatz von
Arzneimitteln in der Geflügelmast.
Zwar wird seit dem 1. Januar 2011 auf einen Gesetzesbeschluss hin die Auslieferung von Arzneimitteln
dokumentiert jedoch genießt die Geflügelindustrie einen besonderen Schutz. Begründet mit einem verstärkten
Datenschutz soll diese Regelung nun jedoch auf Antrag gekippt werden. Experten jedoch vermuten einen starken
Einfluss seitens der Geflügellobby, welche verstärkt auf den Einsatz von Antibiotika in Mastbetrieben mit mehr als
100.000 Tieren besteht.
Nur so wird nach Meinung der Verantwortlichen die Ausbreitung gefährlicher Seuchen verhindert. Die Krise in der
Geflügelmast hat mittlerweile aber auch das Landwirtschaftsministerium erreicht. Schätzungen zur Folge stieg die
Zahl der Behandlungen mit Antibiotika wie beispielsweise Penicillin oder Neomycin von durchschnittlich 1,7
Behandlungen pro Mastgang auf 2,3 Behandlungen pro Mastgang. Aussagen von Amtstierärzten nach werden teilweise
sogar sechs Behandlungen pro Mastgang verzeichnet. Ein Mastgang umfasst bei Hähnchen ca. 30 Tage.
Als Ziel der Behandlungen mit Antibiotika setzen sich die Mastbetriebe neben einer Verlängerung der Lebensdauer
der Zuchttiere vor allem deren Wachstumsförderung. Und das, obwohl der Einsatz von Medikamenten zur Förderung der
Mastleistung bereits seit 2006 in der gesamten EU verboten ist.
Das scheint vielen Züchtern und Landwirten jedoch egal zu sein. Eine Ausbreitung der Keime auf den Menschen
und das hieraus resultierende Risiko lebensgefährlich oder sogar tödlich zu erkranken wird seitens der Züchter
hierbei jedoch außer Betracht gelassen. Die besonders gefürchteten MRSA Erreger wurden nämlich laut eines Berichts
des Bundesinstituts für Risikobewertung in 25% des verkauften Hühnerfleischs und in 43% des Putenfleischs
gefunden. In 52% aller Schweineställe wurden MRSA Erreger nachgewiesen.
(bfr.bund.de/cm/343/menschen_koennen_sich_ueber_den_kontakt_mit_nutztieren_mit_mrsa_infizieren.pdf)
Tendenziell zeichnet sich aber schon jetzt ein immer weiter wachsender Einsatz von Arzneimitteln in der
Geflügelmast ab. Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag: Eier-Tanz um Antibiotika-Hühner.
Bei Bodenproben in den USA haben Forscher außerdem auch bei harmlosen Bakterien viele Resistenzgene gegen
Antibiotika nachweisen können, und zwar solche, die mit denen gefährlicher Krankheitskeime absolut identisch
sind.
Wie kann das sein? Bakterien sind in der Lage zum Gentranfer. Das heißt, dass die Mikroorganismen ihr Erbgut auf
andere Bakterien übertragen können. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass die resistenten Krankheitserreger
beispielsweise mit der Gülle in das Erdreich gelangen und hier auch die harmlosen Bodenbakterien widerstandfähig
gegen Antibiotika machen.
Als Grund dafür, warum die Bodenbakterien die Resistenzgene benötigen, sehen die Wissenschaftler die zunehmende
Verunreinigung der Böden und des Wassers mit den Arzneimitteln an. Denn die Bodenbakterien überleben nur, wenn sie
über die Resistenzen verfügen. „Man kann das Problem nur verringern, indem man den Bodenbakterien weniger
Antibiotika zumutet“, sagt der Autor des Fachartikels Kevin Forsberg in einem Podcast, „denn dann haben die
Bakterien weniger Anlass, mit Resistenz-Genen zu handeln.“
Die zunehmenden Resistenzen auch in harmlosen Bakterien können verschiedene weitreichende Folgen auch für den
Menschen haben: Zum einen können sich – durch einen erneuten Gentransfer – auch bei den Krankheitserregern weitere
Resistenzen ausbilden. Zum anderen ist nicht auszuschließen, dass die Bodenbakterien durch ihre Resistenzen bald
ebenfalls prächtig in Krankenhäusern überleben können. Und dann sind sie selbstverständlich nicht mehr harmlos
(http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22936781).
Und da wundern wir uns, dass Antibiotika immer seltener wirken?
Die Auswirkungen dieser "Vielverschreibung" sind jedenfalls katastrophal: 30.000 Patienten sterben in Deutschland an einer Krankenhausinfektion jährlich, weil
Ihnen kein Antibiotikum mehr hilft. 30.000 Patienten. In der Europäischen Union. Nicht Indien, nicht
Afrika. Deutschland. Ein Land das stolz ist auf die Errungenschaften der modernen Schulmedizin.
(Quelle: dpa dpa/APOTHEKE ADHOC, Montag, 09. Mai 2011, Ärzteblatt:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45747/
Bis_zu_30_000_Tote_pro_Jahr_durch_Krankenhausinfektionen.htm)
Zahlreiche Forscher warnen inzwischen vor multiresistenten Superkeinem, wie zum Beispiel die US-amerikanischen
Mikrobiologen Arias und Murray von der Universität Texas (zu lesen im New England Journal of Medicine).
Auch Jörg Hacker, designierter Leiter des Robert Koch-Instituts, sieht die MRSA-Keime (Methicillin resistente
Staphylococcus aureus) mit äußerster Besorgnis.
Sich ihrem Umfeld perfekt anpassende Keime wie E.coli, Staphylococcus Aureus oder auch Pseudomonas Aeruginosa
vermehren sich in rasantem Tempo, quasi in Minutenschnelle. Und sie tauschen nicht nur ihr Genmaterial
untereinander aus, sondern mutieren ungewohnt schnell und häufig in Richtung Resistenzverstärkung: Der Keim, der
Antibiotika-Behandlungen unbeschadet übersteht, gibt naturgemäß sein Erbgut besonders gern an weitere Generationen
von Bakterien weiter.
Die interessante Frage ist: Wie stellen diese Bakterien das an?
Entweder sorgt das Bakterium selbst über seine Efflux-Pumpen dafür, dass das Medikament die Zelle wieder
verlässt. Oder das Antibiotikum schafft es gar nicht erst durch die Zellwände. Bakterien verändern die
Zellwandproteine oder die DNA selbst oder machen den Wirkstoff über Enzyme wirkungslos.
Der für manche Lungenentzündung und schwere Sepsis verantwortliche Staphylococcus Aureus tummelt sich
vermehrt auf den Intensivstationen der Krankenhäuser und kann sogar über Super-Antibiotika wie Vancomycin nicht
immer erfolgreich bekämpft werden. Gleiches gilt für den immer schwieriger werdenden Kampf gegen Enterokokken,
die ebenfalls eine Sepsis (Blutvergiftung) auslösen können. Bei
Pseudomonas und Coli-Bakterien lässt sich Ähnliches beobachten. Da stellt sich mittlerweile auch manchem
Patienten schon die Frage:
Deutsche Kliniken – Ideale Brutstätten für gefährliche Keime?
Patienten auf Intensivstationen, aber auch auf normalen Stationen und in Ambulanzen sind doppelt benachteiligt:
Bereits immungeschwächt, sehen sie sich einer erhöhten Konzentration an resistenten Keimen gerade an Orten
ausgesetzt, die eigentlich ihre Genesung befördern sollten.
Für Gesunde, etwa Ärzte, Krankenschwestern oder Pfleger, entsteht durch die Besiedelung von Schleimhäuten durch
Superkeime üblicherweise kein Problem. Bei Kranken hingegen führt die Übertragung der Keime zu Lungenentzündungen,
Herzmuskelentzündungen, Blutvergiftungen und Wundinfektionen sowie Harnwegsinfektionen.
Die Hygiene in vielen Krankenhäusern lässt anscheinend zu wünschen übrig, dass der Herausbildung von besonders
gravierenden Resistenzen Tür und Tor geöffnet scheint: Jährlich infizieren
sich deutschlandweit fast eine Million Krankenhauspatienten mit resistenten Keimen; über 30.000
Patienten sterben an den Folgen dieser unerträglichen, schwer kalkulierbaren Bedingungen. Noch vor wenigen Jahren
wurden die "offiziellen" Todesfallzahlen mit 1.500 angegeben.
Die gängige Verschreibungspraxis - ohne Maß und Ziel
Fluorchinolone-basierte Medikamente wirken ebenfalls nicht mehr, nachdem sie exzessiv verordnet wurden. Hinzu
kommt die unsinnige Verschreibungspraxis bei Atemwegsinfektionen: Antibiotika wirken nun einmal nicht gegen viral
bedingte Erkrankungen, doch viele Hausärzte verschreiben diese weiter prophylaktisch mit dem Argument, man wolle
dem geschwächten Organismus nicht auch noch eine mögliche bakterielle Infektion zumuten.
Diese maßlose Verabreichung von Antibiotika (im Jahr 2007 wurden Antibiotika für den stolzen Betrag von 808
Millionen Euro verordnet, Privatversicherte und Kliniken nicht eingerechnet) manifestiert sich nun in der
zügellosen Vermehrung multiresistenter Keime.
Dies belegen auch die Studien zur Resistenzentwicklung, geleitet durch den Infektologen Dr. Winfried
Kern, Uniklinik Freiburg (in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und der
Paul-Ehrlich-Stiftung)
Mehr dazu auch im bereits oben erwähnten GERMAP 2008 Report.
Was die Zukunft bringt
Ärzten bleibt nun nur die Wahl zwischen „Pest und Cholera“: Sie können einmal resistente Erreger mittels älterer
Medikamente bzw. hochwirksamen Reserveantibiotika zu bekämpfen suchen oder kostenintensive, neu entwickelte
Substanzen wählen, deren effektive Wirkungstage schon zum Zeitpunkt ihres Markteintritts gezählt sind. Da stellt
sich dann auch die Frage:
Weshalb wird nur halbherzig in die Erforschung neuer Substanzen investiert?
Die Antwort scheint einfach: Mit Antibiotika, die per se nur über einen vergleichsweise kurzen
Behandlungszeitraum eingesetzt werden, lässt sich kaum Geld verdienen.
Was wäre also zu tun?
An neuen Richtlinien zur Krankenhaushygiene wird bereits gearbeitet.
Als Alternative bleiben dann noch Naturheilmittel mit antibiotischer Wirkung, wie zum Beispiel Senföl oder
Korianderöl - oder auch Umbkaloabo könnten eine Alternative sein, die auch von der Schulmedizin mit wachsendem
Interesse betrachtet wird.
So konzentriert sich die Pharmaindustrie derzeit u. a. darauf, im brasilianischen Regenwald nach
phytotherapeutisch verwertbaren Pflanzen mit keimtötenden Wirkstoffen zu suchen.
Ein spezifischer Vorteil pflanzlicher Antibiotika gegenüber konventionellen Antibiotika besteht darin, dass sich
ihre vielfältigen pflanzlichen Inhaltsstoffe wechselseitig in ihrer Wirkungsweise unterstützen, während letztere
nur einen Wirkstoff beinhalten.
Angesichts von Wirkstoffkombinationen haben es Erreger naturgemäß schwer, echte Resistenzen zu entwickeln.
Naturwirkstoffe lassen sich außerdem hervorragend vorbeugend einsetzen, wie im Fall des erwähnten Senföls, das sich
bei wiederkehrenden Infekten der Harnwege bewährt hat, ohne dass bislang Resistenzen bekannt wären.
Wenn Sie zu Alternativen Antibiotika interessiert sind, so sollten Sie sich unbedingt für meinen
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der Report zur Verfügung steht.
Weitere Themen im Zusammenhang mit Antibiotika: Viruserkrankung - Streptokokkeninfektion - Antibiotikaresistenz - Rekonvaleszenz
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 03.01.2013 aktualisiert.

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