Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (= Hypothyreose) besteht ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Folgen sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme und weitere Symptome.

Aber was macht die Schilddrüse eigentlich? Die Schilddrüse ist ein Organ, das unter dem Adamsapfel im vorderen Halsbereich liegt. Sie produziert verschiedene Hormone, die für den Cholesterinabbau, die Hirnentwicklung, das allgemeine Wachstum, die Wärmeproduktion und einen gut funktionierenden Stoffwechsel notwendig sind.

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion können vielfältig sein: Möglich sind entzündliche Veränderungen des Schilddrüsengewebes (zum Beispiel chronische Immunthyreoditis), vorangegangene Schilddrüsenoperationen (zum Beispiel Entfernung von Schilddrüsengewebe wegen einer Vergrößerung oder eines Tumors), Strahlentherapie (zum Beispiel Radiojodtherapie oder Röntgenstrahlung), bestimmte Medikamente (zum Beispiel Thyreostatika in zu hoher Dosierung) oder ein extremer Jodmangel.

Ist die Schilddrüse selbst unauffällig, kann die Ursache auch eine Störung der Hormone sein, die die Hormonbildung und -ausschüttung der Schilddrüsenhormone beeinflusst, (zum Beispiel TSH-Mangel bei Tumor oder nach Bestrahlung der Hypophyse).

Seltenere Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion sind eine angeborene Unterfunktion der Schilddrüse (zum Beispiel bei Fehlanlage der Schilddrüse), Hormonresistenz der Schilddrüsenhormonerfolgsorgane, bakterielle Entzündungen oder Ablagerungen im Schilddrüsengewebe, die ihre Funktion beeinträchtigen.

Bei Neugeborenen wurde eine Schilddrüsenunterfunktion manchmal durch zu starke Desinfektionsmaßnahmen während der Geburt ausgelöst. Das Jod, das zur Desinfektion verwendet wurde, hemmt nämlich in zu hohen Dosen die Schilddrüsenfunktion. Heute kommen jodhaltige Desinfektionsmittel weniger zum Einsatz.

Schilddrüse normal und vergrößert
Abb.1: Die Schilddrüse: Links normal, rechts vergrößert. Eine vergrößerte Schilddrüse (Kropf) ist gut zu tasten.

Symptome einer Unterfunktion

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion entwickeln sich langsam. Bei stärkerer Beeinträchtigung bemerkt man allgemeine Müdigkeit mit gesteigertem Schlafbedürfnis, Antriebsminderung, Konzentrationsschwäche, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung und Gewichtszunahme. Auch eine Gehörschwäche, Geruchsstörung und Geschmacksstörungen können auftreten.

Daneben können weitere folgende Begleiterscheinungen auftreten:

Die Haut ist trocken, blass, rau, schuppig und kühl (siehe auch: Hautprobleme). Es kann zu typischen Schwellungen im Bereich der Augenlider und Hände kommen, die sich über den gesamten Körper ausdehnen können (das sogenannte Myxödem).

Möglich ist auch die Bildung eines Kropfes (Struma) durch Jodmangel. Auch Haarausfall und Zahnverluste treten auf. Die Stimme klingt oft heiser. Frauen mit einer Schilddrüsenunterfunktion werden außerdem schlechter schwanger.

Bei Kindern führt eine Schilddrüsenunterfunktion zu Entwicklungsstörungen, weil die Hormone auch für die Gehirnentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Leider wird diese oft auch erst dann erkannt, wenn überhaupt. Nicht immer sind dann die Folgen rückgängig zu machen. Deshalb ist eine frühe Diagnose sehr wichtig.

Bei einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion sieht man auch bei Neugeborenen schon Auffälligkeiten: Neugeborene mit einer Hypothyreose haben eine vergrößerte Zunge und eine eher teigige Haut und fallen durch besonders „braves“ Verhalten auf. Sie trinken schlechter, neigen zu Verstopfung, Neugeborenengelbsucht und wenig Bewegungsdrang. Da sie durch das Stillen noch einige Wochen lang die Hormone der Mutter bekommen, fällt die Unterfunktion der Schilddrüse aber oft längere Zeit gar nicht auf oder kann nicht gut diagnostiziert werden. Inzwischen ist sie aber Teil der üblichen Früherkennungsuntersuchungen und kann deshalb in vielen Fällen frühzeitig behandelt werden.

Auch bei schwangeren Frauen wird eine Schilddrüsenunterfunktion zum Problem: Die geistige Entwicklung des Kindes kann leiden. Deshalb gehört die Untersuchung der Schilddrüse häufig zum Standard während der Schwangerschaft. Noch besser wäre natürlich eine vorherige Untersuchung, wenn ein Kinderwunsch besteht.

Bei älteren Menschen fällt die Schilddrüsenunterfunktion ebenfalls oft nicht auf. Die typischen Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Gewichtszunahme werden mit dem Alter in Verbindung gebracht und oft nicht genauer untersucht. Sprechen Sie deshalb im Zweifelsfall Ihren Arzt/Ihre Ärztin ganz konkret auf die Möglichkeit eines Schilddrüsenproblems an und bitten Sie um Abklärung, wenn Sie sich oft schlapp und müde fühlen.

Diagnose und schulmedizinische Therapie

Da die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion schleichend auftreten und unspezifisch sind, dauert es oft lange, bis betroffene Patienten den Arzt aufsuchen und bis dann die richtige Diagnose gestellt wird.

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion wird das Blut auf bestimmte Schilddrüsenhormone, die sogenannten Schilddrüsenblutwerte, untersucht. Wichtig sind vor allem die Werte T3, T4 und TSH.

T3 ist das eigentlich wirksame Schilddrüsenhormon. Es trägt drei Jod-Atome mit sich und sollte in einer Konzentration von 0,9 – 1,8 Mikrogramm pro Liter vorkommen. Tatsächlich wirksam ist aber nur das „freie T3“. Dessen normale Konzentration ist um etwa den Faktor Tausend niedriger und liegt nur bei 3,5 – 8 Picogramm pro Milliliter. (Das entspricht übrigens in etwa der Konzentration eines homöopathischen Mittels in der Potenz D12, von der viele Schulmediziner behaupten, sie könne keine Wirkung mehr haben. Aber das nur so nebenbei.)

T4 ist die Vorstufe zu T3 und trägt vier Jod-Atome. Schilddrüsenmedikamente enthalten üblicherweise diese Form.

TSH ist der Botenstoff, den die Hirnanhangdrüse aussendet, um der Schilddrüse mitzuteilen, dass sie schleunigst mehr T3 und T4 produzieren sollte. Das Problem bei einer hormonellen Therapie ist, dass die Hirnanhangdrüse diesen Botenstoff immer weniger aussendet. Schließlich nimmt sie ja einen ausreichenden (oder sogar zu großen) Vorrat an T4 wahr. Die Schilddrüse wird also immer weniger zur Eigenproduktion von T4 und T3 angeregt und wird durch die Therapie immer träger. Diesen Mechanismus nennt man Rebound-Effekt. Ein weiteres Problem: TSH wird von den gleichen Zellen produziert wie ein weiterer Botenstoff, das FSH. Dieses ist für die Produktion von Ei- und Samenzellen verantwortlich. Die Produktion von TSH und FSH sind also aneinander gekoppelt, was auch erklärt, warum in der Pubertät und während der Wechseljahre Schilddrüsenerkrankungen so viel häufiger auftreten als in anderen Lebensphasen.

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt, wird meist Thyroxin verschrieben, ein Medikament, das TSH enthält. (Das gilt interessanterweise übrigens auch bei der Schilddrüsenüberfunktion. Hier macht man sich den Rebound-Effekt ganz gezielt zunutze.)

Wird eine Unterfunktion der Schilddrüse optimal therapiert, bessern sich die Symptome rasch und auf Dauer.

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Sprache der Symptome

Die Schilddrüse ist das Organ, das uns seit Urzeiten in die Lage versetzt, bei plötzlicher Gefahr schnell zu fliehen. Sie schaltet das vegetative Nervensystem um, bringt das Herz zum Rasen, schüttet Adrenalin aus und versetzt uns in die Lage, unsere ganze Kraft in eine schnelle Flucht umzusetzen. Allerdings haben sich seit der Zeit der Urmenschen die Gefahren in unserem Leben deutlich verändert.

Eine Flucht ist in den seltensten Fällen das Mittel der Wahl, um einer Bedrohung zu entgehen. Wenn also der Chef mal wieder zu einem unangenehmen Gespräch lädt oder der Kontostand bedenklich ins Minus zuckt, schaltet die Schilddrüse noch immer um auf „Flucht“. Aber wir setzen die Energie, die sie uns freisetzt, nicht mehr als solche um, sondern fressen die Angst vor der Bedrohung in uns hinein.

Der Körper, dessen Funktionen noch immer auf die Umstände in der Urzeit gepolt sind, ist irritiert, allen voran die Schilddrüse, die uns doch in den wertvollen Fluchtzustand versetzt hat. Wer viel Stress hat, viel zu Ängsten und unausgelebten Gefühlen neigt, hat deshalb häufiger Probleme mit der Schilddrüse.

Fragen, die man sich stellen kann: Wo bin ich nicht ehrlich? Entspricht mein Verhalten meiner Einstellung? Woher kommen meine Aggressionen? Welche Impulse unterdrücke ich? Gegen was kämpfe ich permanent an? Warum äußere ich nicht meine Ängste oder mein Anlehnungsbedürfnis, anstatt immer noch mehr Verantwortung zu übernehmen? Was befürchte ich eigentlich?

In "Die Botschaft Deines Körpers" schreibt Kurt Tepperwein:

Der Schilddrüsenkranke muss lernen, seine seelische Belastungen abzubauen bzw. zu lösen, um innerlich wieder zur Ruhe zu kommen. Dazu gehört vor allem auch, dass er lernt, seine Angst aufzulösen, die bei ihm stark ausgeprägt ist. Aber auch seine starken Aggressionen, die daher rühren, dass er seine feindseligen Gefühle verleugnet und unterdrückt, müssen verarbeitet werden. Hinzu kommt ein starkes Bedürfnis, bemuttert und umsorgt zu werden, was er durch ein fast zwanghaftes Bedürfnis kompensiert, für andere zu sorgen. Er strebt unaufhörlich nach Unabhängigkeit, obwohl er sich am liebsten selbst anlehnen möchte. Quelle: Kurt Tepperwein, Die Botschaften Deines Körpers.

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Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und alternativmedizinische Therapieverfahren, die bei einer Schilddrüsenunterfunktion infrage kommen.

Ein Wort vorweg: Die meisten Patienten sind mit Hormonen bereits eingestellt und damit zufrieden.

Dennoch lohnt sich eine alternative oder naturheilkundliche Therapie bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Im Gegensatz zur Hormongabe, bei der nur die Symptome beseitigt werden, kann eine naturheilkundliche Behandlung auch bei den Ursachen ansetzen und diese im Idealfall auflösen. Dadurch können in vielen Fällen auch die Hormongaben reduziert oder sogar ganz beendet werden.

Den größten Erfolg erzielt man bei geringen Funktionsstörungen. Vor allem bei älteren Patienten wird eine Hypothyreose gerne übersehen, vor allem wegen des schleichenden Beginns.

Akupunktur Ni 6 (auch bei genitalen Störungen), 3E16 als lokaler Punkt (vor allem bei Halsenge), KG22 bei bestehender Struma (Kropf) und Atembeklemmung, M9 als lokaler Punkt.
Bachblüten Findet man Probleme, wie ich diese oben unter "Sprache der Symptome" beschrieben habe, können Bachblüten helfen.
Ernährung

Meerfische, Schalentiere und Meeresfrüchte enthalten viel Jod, das die Schilddrüse so dringend braucht. Würzen Sie Ihre Speisen mit Meersalz. Die Sache mit dem Jod ist allerdings nicht unumstritten. Mehr dazu im Beitrag: Jodmangel oder industrielle Interessen in Deutschland?

In meinem Beitrag zum Spurenelement Jod, gehe ich auch auf die Biologie des Jods, Jod in der Ernährung und ein paar weitere Aspekt ein.

Verschiedene Nahrungsmittel enthalten sogenannte strumigene Substanzen (Goitrogene), vor allem die Mitglieder der Kohlfamilie: Brokkoli, Kohl, Rosenkohl, Blumenkohl, Sojabohnen, Steckrüben oder Grünkohl. Aber auch Erdnüsse (sollte sowieso niemand essen), Hirse und Spinat gehören dazu. Die strumigenen Substanzen werden beim Kochen deaktiviert, deswegen sollten gerade Patienten mit Schilddrüsenproblemen Gemüse roh essen. Dazu bieten sich verschiedene Gemüsesäfte an. Beginnen Sie mit einem Glas täglich (200ml) und steigern Sie sich auf drei Gläser. Seien aber bei Kohl vorsichtig.

Generell ist eine ausgewogene Ernährung mit möglichst biologisch produzierten Lebensmitteln wichtig, um die Ursachen der Unterfunktion positiv zu beeinflussen. Vermeiden Sie industriell verarbeitete Lebensmittel.

Da Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion sich viele Funktionen verlangsamen, einschließlich der Verdauung, haben diese Patienten auch oft Probleme mit der Verdauung. Unter "Hausmittel bei Verstopfung" schreibe ich mehr dazu.

 

Homöopathie Eine Vielzahl von Homöopathie-Mitteln kommt infrage. Die wichtigsten "Konstitutionsmittel" sind: Calcium Carbonicum, Graphites, Pulsatilla und Barium Jodatum
Neuraltherapie Nach potenziellen Störfeldern suchen, vor allem im Bereich des kleinen Beckens. Die neuraltherapeutische Injektion (s.c.) an die Schilddrüsenpole zeigt oft eine gute Wirkung.
Orthomolekular-Medizin

Wenn ihre Schilddrüse zwar Hormone produzieren kann und das Blut die Schilddrüsenhormone auch zu den Zellen transportiert, kann trotzdem alles „umsonst“ gewesen sein. Denn: Die Hormonmoleküle müssen noch „eingeschaltet“ werden. Dazu brauchen Sie Selen und letztlich auch alle essentiellen Aminosäuren.

Es kommen noch weitere Vitalstoffe in Frage, aber ich rate dazu erst mal das Jod und das Selen zu prüfen. Aber auch die Eisen- und Folsäureversorgung sind bei einer Schilddrüsenunterfunktion manchmal gestört.

Von Algen halte ich ja eine ganze Menge. Dennoch werde ich öfter gefragt ob das Jod in den Algen ein Problem sein. Mehr dazu in meinem Beitrag: Ist Jod in Algen bei Schildrüsen-Problemen gefährlich?

Schüssler-Salze

Grundsätzlich: Calcium phos. Nr. 2, Magnesium phos. Nr. 7, Kalium jodatum Nr. 15.
Unterfunktion der Schilddrüse: Magnesium phos. Nr. 7, Kalium bromatum Nr. 14, Kalium jodatum Nr. 15

Spagyrik Blasentang
Wirbelsäulensegmente Cervical 7 (der siebte Halswirbel) versorgt unter anderem auch die Schilddrüse. Eine Fehlstellung kann eine Funktionsstörung der Schilddrüse bedingen.
Zahnstörfeld Tote Zähne stören grundsätzlich den ganzen Organismus. Auch Amalgam-Füllungen können bedenklich sein. Sie sollten sie durch einen in diesen Sachen erfahrenen Zahnarzt sanieren lassen.
Sonstiges

Rauchen ist natürlich verboten.

Aus der Volksheilkunde kennt man warme Halswickel mit Kohlblättern.

Lernen Sie eine Strategie zum Stressabbau.

Versetzen Sie Ihren Körper bei Stress in Bewegung, zum Beispiel durch einen strammen Spaziergang. So kann ein Teil der „Fluchtenergie“ abgebaut werden.

Der Aufenthalt am und im Meer kann einen Jodmangel beseitigen.

Atemtherapie, Singen und Jodeln regen die Aktivität der Schilddrüse an.

Weil ich ab und zu danach gefragt werde: Hier meine Meinung zur Logolschen Lösung.
 

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.02.2016 aktualisiert.

Quelle Abb1. fotolia - rob3000