Die Th1 - Th2 Immunbalance - als Grundlage für die Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Unser Immunsystem ist ein fast endlos komplexes System, in dem es von Regulationsmechanismen, Feedback-Mechanismen, sich gegenseitig ergänzenden oder auch hemmenden Substanzen „wimmelt“.

Grund für die unübersichtliche Komplexität des Immunsystems ist die Tatsache, dass die Abwehr von Fremdstoffen und Mikroorganismen nicht nur über einen einzigen Mechanismus verläuft, sondern über 4 Kategorien, die sich gegenseitig ergänzen und bedingen.

Dies sind:

  • die angeborene, humorale Immunabwehr
  • die angeborene, zelluläre Immunabwehr
  • die erworbene, humorale Immunabwehr
  • die erworbene, zelluläre Immunabwehr.

Als Daumenregel lässt sich hier festhalten, dass die angeborene Immunabwehr relativ unspezifisch, aber schnell auf „Eindringlinge“ reagiert, während die erworbene sich auf in den Organismus eingedrungene Fremdstoffe und Mikroorganismen spezialisiert hat und diese auch nach Jahren sofort wieder erkennen und bekämpfen kann.

Aber für den Erkennungsprozess und die Aktivierung von Gegenmaßnahmen vergeht einiges an Zeit, was unter Umständen für den Organismus kritisch werden könnte, wenn nicht der angeborene Teil des Immunsystems schon einen großen Teil der Vorarbeit geleistet hätte. Teil dieser spezifischen Gegenmaßnahmen ist das Th1/Th2-System.

Immunsystem im (Teil)-Überblick

Leukozyten, auch weiße Blutkörperchen genannt, sind ein integraler Bestandteil des Immunsystems. Aber Leukozyten sind nicht einfach nur Leukozyten. Sie lassen sich differenzieren in im Wesentlichen 3 Unterabteilungen: die Granulozyten, die Lymphozyten und die Monozyten.

Um zu dem Th1/Th2-System zu gelangen, müssen wir die Lymphozyten weiter verfolgen. Denn die verzweigen sich weiter zu CD4+ T-Helferzellen und CD8+ T-Zellen. Die T-Helferzellen bilden die Basis des Th1/Th2-Systems, denn je nach Immunreiz bilden sie Th1- oder Th2-Zellen, die wiederum spezifische Zytokine produzieren. Richtig bekannt wurden die T-Helferzellen durch AIDS, da das HIV diesen Bereich des Immunsystems stark dezimiert.

Durch die Eliminierung bzw. unzureichende Neubildung von CD4+-Zellen kommt es im Immunsystem zu einem Abbruch der Aktivierung von weiteren Immunantworten seitens des Organismus. Oder einfacher ausgedrückt: das Immunsystem ist ohne die von den T-Helferzellen produzierten Zytokine orientierungslos und weiß nicht, wie es weiter gegen die Eindringlinge vorgehen muss.

Denn die Zytokine sind kleine Proteine (Peptide), die als Botenstoffe im Organismus dienen. Das Th1/Th2-System nimmt also nicht direkt und aktiv an der Vernichtung von Mikroorganismen und anderen unerwünschten Stoffen teil, sondern reguliert, koordiniert und organisiert einen effektiven Verlauf der Immunantworten.

Th1 und Th2

Wie schon erwähnt, bilden die beiden Zelltypen verschiedenartige Zytokine aus, die dann z.B. B-Lymphozyten, Plasmazellen etc. zur Produktion von verschiedenen Immunglobulinen veranlassen. Dabei produzieren beide Zelltypen immer nur ein bestimmtes Aufgebot an Zytokinen, die für ihre Charakterisierung typisch ist. So produzieren Th1-Zellen immer nur Interferon-gamma (IFN-γ), Interleukin-2 (Il-2) und den Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α).

Die Th2-Zellen produzieren die Interleukine Il-3, Il-4, IL-5, IL-6, IL-10, IL-13 und Lymphotoxin-α. Die Zytokine der Th1-Zellen sind weitestgehend für die zelluläre Immunabwehr verantwortlich, da sie die Aktivierung und Differenzierung von Makrophagen veranlassen. Diese Form der Immunantwort ist immer dann von besonderer Bedeutung, wenn Viren oder Bakterien schon in Zellen eingedrungen sind und daher von Antikörpern des humoralen Immunsystems nicht mehr bekämpft werden können.

Die Aufgabe der zellulären Immunabwehr zieht dann natürlich eine gleichzeitige Vernichtung der infizierten Zelle nach sich. Dies macht deutlich, dass eine entgleiste Th1/Th2-Balance zugunsten von Th1 den Vernichtungsprozess von körpereigenen Zellen vorantreiben kann, auch wenn es sich hier um gesunde Zellen handelt. Hier hätten wir dann den klassischen Fall einer Autoimmunerkrankung vor uns. Ein beträchtlicher Teil der Zellvernichtung wird über entzündliche Prozesse erreicht, was die Entzündung als eine wichtige Immunreaktion charakterisiert. Somit gelten die Zytokine der Th1-Zellen als entzündungsfördernd. Des Weiteren veranlassen die Th1-Zytokine die Produktion von IgG zur Abwehr von viralen und bakteriellen Infektionen.

Die von den Th2-Zellen gebildeten Zytokine veranlassen dagegen die Produktion von IgE und IgG4. Dieser Bereich gehört somit zur humoralen Immunabwehr. Bei einem Übergewicht an Th2-Zytokinen kommt es zur Ausbildung von Allergien und anderen Störungen.

Aber die Zytokine regulieren nicht nur spezifische Immunreaktionen, sondern regulieren auch sich selbst. So hemmen IFN-γ auf der einen Seite und Il-4 und Il-10 auf der anderen Seite sich wechselseitig. Das heißt, dass z.B. Il-4 eine Th1-Antwort und IFN-γ eine Th2-Antwort dämpft. Dieser Regelmechanismus trägt mit dazu bei, dass z.B. entzündliche Vorgänge nicht permanent ablaufen und den dementsprechenden Schaden anrichten. Il-10 hat hier eine besonders starke entzündungshemmende Wirkung unter den Th2-Zytokinen.

Wenn die Balance aus der Balance ist

In einem gesunden Organismus herrscht ein Gleichgewicht zwischen Th1- und Th2-Zellen und der damit verbundenen Produktion an Zytokinen. Kurzfristige Ungleichgewichte sind immer dann notwendig, wenn ein Immunereignis eingetreten ist, das eine erhöhte Produktion von Th1- oder Th2-Zytokinen notwendig macht.

Ein gesunder Organismus ist aber immer in der Lage, nach vollbrachter Arbeit sein Th1/Th2-Gleichgewicht wieder herzustellen. Wenn dieses Gleichgewicht aber langfristig oder gar chronisch gestört ist, dann kommt es zu gesundheitlichen Problemen.

Die Gründe für die Störungen in der Balance sind noch nicht vollkommen klar erkannt worden. Man weiß heute, dass z.B. ein Mangel an Glutathion dazu beitragen kann, der zu einem Th2-Überschuss führt. Gleichzeitig verursacht dieser Mangel auch noch einen Mangel an Th1-Zytokinen. Andere Faktoren, die ein Ungleichgewicht herbeiführen können, sind Stress, Schwermetallvergiftungen, Candida-Infektionen, Rauchen, UV-Strahlung, oxidativer Stress, Medikamente, Proteinmangel und Impfungen(!).

Es erfolgt zudem eine Art „biologisch natürliche“ Verschiebung nach Th2 ab dem 40. Lebensjahr. Wie ausgeprägt dieser Shift ausfällt und welche Bedeutung er für die Gesundheit der Betroffenen hat, lässt sich momentan nur schwer abschätzen. Vielleicht handelt es sich hier auch nicht um einen direkten Shift nach Th2, sondern nur um eine erhöhte Bereitschaft für diese Verschiebung, so dass die eben beschriebenen Auslöser schneller und ausgeprägter diesen Shift bewerkstelligen.

Schwangere scheinen von Natur aus einen Th2-Switch als Schutz vor Abstoßungsreaktionen zu haben. Bei der Geburt haben in der Regel Mutter und Kind einen Th1-Mangel. Daraus leitet sich ab, dass es für das Kind und dessen Immunsystem von großer Bedeutung ist, dass es in den ersten beiden Lebensjahren mehrere kleine Infektionen durchläuft, die für die Th1-Aktivierung unerlässlich sind.

Wie wichtig die Balance von Th1 und Th2 ist, zeigt die folgende Übersicht an Erkrankungen, die mit einem Ungleichgewicht in Verbindung stehen.

Dominanz der Th1-Reaktionen:

Dominanz der Th2-Reaktionen:

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch Impfungen einen Th2-Shift bewirken. Dieses Ungleichgewicht ist natürlich das genaue Gegenteil von dem, was man mit einer Impfung eigentlich erreichen will.

Da die Impfungen über den Th2-Shift, wie aufgelistet, Infektionen fördern, kann man sich gut erklären, warum z.B. die HPV-Impfung in den Verdacht der Wirkungslosigkeit geraten ist. Denn anstatt zu immunisieren wird durch den Shift in Richtung Th2 die Infektionsbereitschaft ausgerechnet für die Viren heraufgesetzt, die durch die Impfung bekämpft werden sollen.

Krankheiten, die durch einen Th1-Mangel gefördert werden, sind:

  • Krebs
  • HIV
  • Candida-Infektionen
  • chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Hepatitis C
  • Leaky-Gut-Syndrom
  • multiple Allergien
  • Blutvergiftungen

Krankheiten, die durch einen Th2-Mangel verstärkt werden, sind:

  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Darmparasiten
  • Neigungen zu Fehlgeburten
  • Schistosomiasis

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Th17 – der Neuling unter den Zytokinproduzenten

Neu sind die Th17-Zellen eigentlich nicht. Man hat sie nur erst im Jahr 2005 entdeckt. Diese Zellen werden direkt aus den CD4+T-Helferzellen gebildet.

Sie produzieren ebenfalls entzündungsfördernde Zytokine, die aber für die chronisch-entzündlichen Immunprozesse von Bedeutung sind. Il-17, das Zytokin, das von Th17-Zellen produziert wird, unterdrückt zwar Th1-Immunantworten, was aber die Vernichtung von Erregern in infizierten Zellen verhindert und somit zur Chronifizierung der Th1-Immunantwort führt.

Die Folge sind chronische Infektionen, Entzündungen und Autoimmunerkrankungen (Interleukin 17-producing CD4+ effector T cells develop via a lineage distinct from the T helper type 1 und 2 lineages. - https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16200070?dopt=Abstract).

Leider weiß man bis heute noch nichts Gutes über Th17 zu sagen, was sicherlich auf die relative Unbekanntheit dieser Zellen zurückzuführen ist. Man weiß heute, dass das von Th2-Zellen produzierte Il-6 die Umwandlung von CD4+T-Helferzellen zu Th17-Zellen steuert. Welche physiologische Bedeutung diesen Zellen zukommt, liegt noch völlig im Dunkeln.

Nur eins scheint hier auf der Hand zu liegen: die traute „Zweisamkeit“ von Th1 und Th2 scheint es in der Realität nicht zu geben.

Auch dieses Sub-System von Th1/Th2 im großen Rahmen des Immunsystems scheint mehr Komponenten zu beherbergen als wir zur Zeit vermuten. Es bleibt also kompliziert.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 08.01.2013 aktualisiert