Die Krankheiten verlaufen in 6 Phasen – Dr. Reckeweg beschrieb das bereits vor über 80 Jahren…
Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Heilverfahren, Altes Heilwissen, Klassische Naturheilkunde, Krankheiten/Beschwerden / zuletzt aktualisiert: 09/08/2026
Selbst in der modernen Medizinwelt gibt es immer wieder innovative Ansätze, die den Blick auf die Heilung von Krankheiten verändern. Eine solche Perspektive ist die Homotoxikologie, eine Theorie, die von dem deutschen Mediziner Hans-Heinrich Reckeweg in den späten 1940er Jahren entwickelt wurde. In diesem Artikel werden wir einen Einblick in Reckewegs Theorie und sein 6-Phasen-Modell der Homotoxikosen werfen, das die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit auf faszinierende Weise erklärt. Entdecken Sie, wie die Homotoxikologie das Verständnis von Heilung in Frage stellt und welche Rolle sie in der modernen Medizin spielt.
Der deutsche Mediziner Hans-Heinrich Reckeweg entwickelte die Theorie der Homotoxikologie um 1948. Er sah darin eine Verbindung zwischen Homöopathie und wissenschaftlich anerkannter Medizin.
Die 6-Phasen-Tabelle nach Reckeweg
Reckeweg baute seine Theorie auf dem Grundsatz auf, dass der menschliche Organismus sich in einem Fließgleichgewicht befindet. Sobald jedoch schädliche Stoffe in den Körper eindringen oder durch den eigenen Stoffwechsel gebildet werden, kann das Gleichgewicht gestört werden. Der Körper versucht, gegen diese Giftstoffe – von Reckeweg als Homotoxine bezeichnet – anzukämpfen.
Demnach sind alle Krankheiten und die damit verbundenen Symptome auf diese schädlichen Homotoxine zurückzuführen.
Um seine Theorie zu verdeutlichen, entwickelte der Mediziner ein Modell, das den menschlichen Körper in verschiedene Abwehrmechanismen und Zellgruppen gegen diese Toxine unterteilt.
Die folgende Abbildung zeigt dies:
Abb.1: Die Tabelle der Homotoxikosen in gekürzter Form. Diese Tabelle ist auf dem Stand von 1974 und wurde im Buch: Dr. med. Hans-Heinrich Reckeweg, Homotoxikologie, Aurelia Verlag, Seite 59 veröffentlicht. Eine „modernere“ Form zum herunterladen mit dem exakt gleichen Inhalt finden Sie hier: 6 Phasen Tabelle nach Reckeweg (zum Ausdrucken)
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Das 6-Phasen-Modell unterteilt die Krankheiten und Abwehrreaktion gegen die Homotoxine in sechs verschiedene Phasen:
Phase 1: Exkretionsphase
Diese Phase umfasst die natürliche Ausscheidung der Homotoxine durch den Körper. Harnbildung, Magen-Darm-Säfte, sowie Schweiß, Tränen und Speichel helfen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Phase 2: Reaktionsphase
In dieser Phase treten leichtere Symptome auf, die darauf abzielen, den Körper zu entgiften. Beispiele sind Ödeme, Furunkel und viele Entzündungsreaktionen verschiedener Organe.
Phase 3: Depositionsphase
In dieser Phase lagern sich die Schadstoffe im Körper ab. Warzen, Rheuma, Gicht, Adipositas, Zysten und Lymphdrüsenschwellungen gehören dazu.
Während dieser ersten drei Phasen sind Zellen und Gewebe in der Lage, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, da körpereigene Stoffe im Blutserum vorhanden sind, die die zirkulierenden Giftstoffe bekämpfen können.
In den Phasen 4 bis 6 werden die Zellen zunehmend durch die Gifte zerstört. Der Stofftransport von den Blutgefäßen zu den Zellen ist eingeschränkt, wenn das Bindegewebe durch die Giftstoffe stark beeinträchtigt wird. Hier sind so viele Homotoxine vorhanden, dass der Körper sie nicht mehr effektiv bekämpfen kann.
Zwischen Phase 3 und 4 kommt der sogenannte „Biologische Schnitt“. Der Biologische Schnitt, wie von Reckeweg beschrieben, ist eine deutliche Grenze in der Phasentabelle, die diese in zwei gleich große Teile teilt. Diese Grenze verläuft genau zwischen der 3. und 4. Phase, also zwischen der Depositions- und der Imprägnationsphase, und markiert den Unterschied zwischen verschiedenen pathogenetischen und therapeutischen Prinzipien. Mehr dazu gleich weiter unten.
Phase 4: Imprägnationsphase
In dieser Phase dringen die Homotoxine in die Zellen ein und lösen beispielsweise Asthma oder Migränereaktionen aus. Dass bereits Kinder Asthma und Migräne bekommen können, zweigt wie rasch sich diese Phasen nach rechts verschieben können. Kinder mit diesen Erkrankungen hatten „Vorbehandlungen“ anderer Erkrankungen und / oder auch zahlreiche Impfungen. Deswegen möchte ich u.a. immer die komplette Krankengeschichte eines Patienten wissen um einen Fall wirklich beurteilen zu können.
Phase 5: Degenerationsphase
In dieser Phase verändern sich die Zellen mit eingeschränkter Funktion aufgrund der Schädigung durch zu viele Homotoxine. Diabetes mellitus und die Parkinson-Krankheit gehören dazu.
Phase 6: Neoplasmaphase
In dieser Phase bildet der Körper neues Gewebe als Reaktion auf die starke Schädigung der Zellen. Dies können Tumoren und Krebsgeschwüre verschiedener Organe sein. Die Phase 6 ist die letzte Phase der Erkrankungen. Danach käme nur noch das Ableben des Patienten.
Eine kurze Sequenz aus meiner Online-Sprechstunde zum Thema “Die Kraft der Natur” in der ich über das Thema “Krankheitsverlauf” spreche:
Der biologische Schnitt
Reckewegs Biologischer Schnitt hat eine entscheidende Bedeutung, da er die charakteristische Trennlinie zwischen den humoralen und zellulären Phasen darstellt, sowie zwischen Krankheiten der Disposition und Krankheiten der Konstitution unterscheidet. Er kann auch als die Grenze zwischen der Phase, in der der Körper noch selbst regulieren kann (Selbsthilfe), und der Phase, in der die Selbstregulation nicht mehr ausreicht (Selbsthilfe-Unvermögen), betrachtet werden. Morphologisch betrachtet ist dies die Grenze zwischen Deposition und Imprägnation, während klinisch betrachtet dies die Grenze zwischen reparablen und theoretisch irreparablen Krankheiten darstellt.
In der Praxis bedeutet dies:
Links vom biologischen Schnitt kommen sowohl Schulmedizin als auch die Naturheilkunde gut mit den Symptomen zurecht. Jeder hat das Mittel die dem Patienten „helfen“. Die entscheidende Frage bei der Wahl ist allerdings: Helt die Erkrankung wirklich aus oder werden nur Symptome unterdrückt? Ich zeige die gravierenden Auswirkungen diesbezüglich am Beispiel des Symptoms Fieber in meinem Beitrag dazu: Fieber und erhöhte Temperatur sind keine Krankheiten!
Rechts vom biologischen Schnitt sind fast all die chronischen Erkrankungen, bei der die Schulmedizin behauptet, dass diese in einer Vielzahl „unheilbar“ seien. Rechts vom biologischen Schnitt tun wir uns alle „schwer“ – sowohl in der Naturheilkunde, als auch in der Schulmedizin. Denn der Aufwand den Patienten wieder links des biologischen Schnitts zurückzuführen ist ungleich höher.
Wichtig zu wissen: Es ist bedeutsam die Erkrankungen links des biologischen Schnitts natürlich „auszuheilen“ und nicht zu unterdrücken. Klar: wenn bestimmte Dinge aus dem Ruder laufen, kann eine schulmedizinische Interention lebensrettend sein. Die Alltagspraxis sieht jedoch anders aus. Viele Patienten nehmen „unterdrückende“ Mittel, weil sie ihre Symptome vermeintlich rasch loswerden wollen. Der Irrtum auch hier ist: Naturheilkunde ist in vielen Fällen ebenso schnell. Nur wissen leider die wenigsten Ärzte und auch die Patienten heute noch, wie Naturheilkunde effektiv angewendet werden kann.
Die Trennung nach Zellgruppen
Um die zahlreichen körpereigenen Reaktionen auf Homotoxine besser zu verstehen, teilt Reckeweg die Abwehrsysteme nach den Zellgruppen ein, aus denen sie während der frühen Embryonalentwicklung entstehen.
Zum Beispiel umfasst das Ektoderm Hautzellen, Sinnesorgane und das Nervensystem, während das Entoderm den Verdauungstrakt, die Lunge, Leber, Schilddrüse und Harnblase bildet. Innere Geschlechtsorgane, Milz und Nieren gehen aus dem mittleren Keimblatt (Mesoderm) hervor. Mesenchymzellen, die aus den drei Keimblättern während der Embryonalentwicklung entstehen, bilden Knochen, Muskulatur oder Blutgefäße.
Vikariation: Wenn eine Krankheit scheinbar verschwindet, aber „tiefer“ wieder auftaucht
Die Grafik zeigt ein klassisches Beispiel dafür, was Reckeweg als Vikariation bezeichnete. Gemeint ist die Verschiebung eines Krankheitsgeschehens von einem Organsystem in ein anderes und zugleich von einer Phase in eine andere:
Das Beispiel ist bewusst einfach gehalten:
Ein Patient leidet zunächst unter einem Ekzem. Die Haut reagiert sichtbar: Sie rötet sich, juckt, entzündet sich oder nässt. Im Sechs-Phasen-Modell wird das Ekzem der Reaktionsphase zugeordnet. Der Organismus setzt sich demnach noch aktiv mit einer Belastung auseinander. Die Reaktion ist unangenehm, aber sie findet vergleichsweise oberflächlich statt.
Nun wird das Ekzem behandelt und verschwindet. Einige Zeit später entwickelt der Patient Asthma. Oberflächlich betrachtet könnte man sagen: Das Hautproblem ist geheilt, jetzt ist eben eine neue Krankheit hinzugekommen.
Reckeweg hätte gefragt:
Ist das Ekzem wirklich geheilt oder wurde das Krankheitsgeschehen lediglich von der Haut in die Atemwege verschoben?
Progressive Vikariation: vom Ekzem zum Asthma
In der Grafik führt der rote Pfeil vom Ekzem zum Asthma. Das Geschehen bewegt sich:
- von der Haut zu den Atemwegen,
- von links nach rechts,
- von einer humoralen in eine zelluläre Phase,
- über den sogenannten biologischen Schnitt hinweg.
Reckeweg bezeichnete eine solche Bewegung als progressive Vikariation. Das Krankheitsgeschehen verlagert sich nach seinem Modell von einer eher oberflächlichen, reaktionsfähigen Ebene in eine tiefere und stärker chronifizierte Phase.
Das bedeutet nicht, dass jedes behandelte Ekzem zwangsläufig Asthma verursacht. Ebenso wenig darf daraus geschlossen werden, jede Salbe oder jede schulmedizinische Behandlung unterdrücke automatisch eine Krankheit. Solche Behauptungen wären zu pauschal.
Bemerkenswert ist allerdings, dass Haut und Atemwege immunologisch tatsächlich eng miteinander verbunden sind. In der heutigen Medizin spricht man beispielsweise vom atopischen Marsch: Bei manchen Menschen treten zunächst Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien auf, später allergische Rhinitis und Asthma. Die moderne Allergologie beschreibt damit ein reales Verlaufsmuster – allerdings mit anderen Erklärungsmodellen als Reckeweg.
Die interessante Frage lautet daher nicht: „Ist das Ekzem weg?“, sondern:
Wie hat sich der gesamte Zustand des Patienten entwickelt?
Schläft er besser? Ist er belastbarer? Haben sich Verdauung, Atmung und Allgemeinbefinden verbessert? Oder ist lediglich die sichtbare Hautreaktion verschwunden, während an anderer Stelle eine schwerwiegendere Störung aufgetreten ist?
Genau hier liegt der Wert des Vikariationsgedankens: Er zwingt den Therapeuten, nicht nur auf das einzelne Symptom zu starren.
Regressive Vikariation: vom Asthma zurück zum Ekzem
Der grüne Pfeil zeigt die umgekehrte Bewegung. Ein Patient mit Asthma entwickelt im Laufe einer Behandlung erneut Hauterscheinungen. Aus rein symptomorientierter Sicht wirkt das zunächst wie eine Verschlechterung:
„Jetzt bekomme ich auch noch ein Ekzem.“
Im Modell Reckewegs kann diese Entwicklung jedoch als regressive Vikariation gedeutet werden. Das Krankheitsgeschehen bewegt sich von einer tieferen Phase zurück zu einer oberflächlicheren Reaktion. Die Atembeschwerden lassen nach, während die Haut wieder reagiert.
Entscheidend ist die Reihenfolge:
- Das Asthma bessert sich.
- Die allgemeine Belastbarkeit nimmt zu.
- Frühere Hautsymptome treten vorübergehend wieder auf.
- Anschließend klingen auch diese ab.
Eine solche Entwicklung würde im Sinne Reckewegs eher für einen günstigen Verlauf sprechen. Die Krankheit werde nicht weiter nach innen gedrängt, sondern in umgekehrter Reihenfolge nach außen zurückgeführt.
Aber auch hier gilt: Ein neu auftretender Hautausschlag ist nicht automatisch ein Heilungszeichen. Er kann ebenso eine Allergie, Nebenwirkung, Infektion oder eigenständige Erkrankung darstellen. Die Deutung ist nur im Gesamtverlauf möglich.
Nicht jedes verschwundene Symptom bedeutet Heilung
Das Beispiel führt zu einer einfachen, aber unbequemen Einsicht: Symptomfreiheit und Heilung sind nicht zwangsläufig dasselbe.
Ein Symptom kann verschwinden, weil sich die zugrunde liegende Störung gebessert hat. Es kann aber auch verschwinden, während sich das Krankheitsgeschehen verändert, verlagert oder chronifiziert.
Deshalb beurteile ich einen Heilungsverlauf nicht anhand eines einzigen Symptoms. Entscheidend sind unter anderem:
- Allgemeinbefinden und Leistungsfähigkeit
- Schlaf und Erholung
- Verdauung und Ausscheidung
- Entzündungsneigung
- Häufigkeit und Schwere neuer Beschwerden
- Medikamentenbedarf
- zeitliche Reihenfolge der Symptome
- Rückkehr früherer Beschwerden
- körperliche und psychische Belastbarkeit
Eine Therapie ist nicht allein deshalb erfolgreich, weil die Haut ruhig, der Schmerz gedämpft oder der Laborwert wieder im Normbereich ist. Die entscheidende Frage lautet: Ist der Mensch insgesamt gesünder geworden oder ist nur das Symptom an eine andere Stelle gewandert und hat auch noch alles verschlimmert?
Fazit
Die klassische Medizin (und die meisten Menschen) haben in weiten Teilen bis heute noch nicht wirklich begriffen, wie Heilung verläuft. Fälschlicherweise wird angenommen, dass das Verschwinden eines Symptoms bereits die Heilung sei – ein großer Irrtum!
Eine ursächliche Heilung kann nur im Einklang mit den Naturgesetzen erfolgen.
Und genau hier hat zum Beispiel die Homöopathie ihren Platz, denn das Naturgesetz lautet: Ähnliches heilt Ähnliches.
Die klassische Medizin (Schulmedizin) verfolgt immer noch das Contraria-Prinzip: Das gegensätzliche Mittel soll helfen. Tut es auch, aber es stellt nur Symptome ab und sorgt so in zahlreichen Fällen für eine Verschiebung in der Tabelle nach RECHTS, Heilung mit Naturmitteln (inkl. Homöopathika) sorgt für eine Ausheilung (Verschiebung nach LINKS).
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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…
Beitragsbild: 123rf.com – Katarzyna Bialasiewicz
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.3.2021 aktualisiert.
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