Wieder Modern: Die Blutegeltherapie
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Die Verwendung von Blutegeln im Sinne einer Blutegeltherapie, lässt sich bis zum Jahre 1500 v. Chr. zurück
verfolgen. Der Grieche Nikandros von Colophon brachte im 2. Jahrhundert das Verfahren nach Europa. Die
Blutegeltherapie erfreute sich daraufhin einem wachsenden Zuspruch, woraufhin die natürliche Population stark unter
Druck geriet und folglich immer weniger Egel zur Verfügung standen.
Dies führte dazu, dass die Blutegeltherapie immer seltener durchgeführt wurde, was sich erst um 1980 wieder
änderte. Im Zuge des Aufkommens der minimalinvasiven Operationsformen und der Schönheitschirurgie leisteten
Blutegel wertvolle Arbeit bei der Behandlung von Stauungen und Blutansammlungen.

Nach wie vor werden Blutegel der Art Hirudo medicinalis bei vielfältigen Krankheitssymptomatiken
eingesetzt. Hierzu gehören vor allem venöse Erkrankungen, sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die
Blutegeltherapie macht sich die Ernähungsgewohnheiten des Tieres zu Eigen. Blutegel besitzen am Vorder- und
Hinterende jeweils einen Saugnapf. Der Hintere dient zum festhalten, der am Vorderende trägt die Mundöffnung. Die
Mundöffnung trägt Kalkzähne, die zum anritzen der Haut dienen.
Zwei Tage vor Beginn einer Blutegeltherapie sollte die zu behandelnde Hautstelle nicht mehr mit Kosmetika in
Berührung kommen. Direkt vor dem aufsetzten der Tiere wird die Stelle mit Alkohol desinfiziert. Zur Reduktion von
Keimen am Saugnapf der Egel, werden diese 2 Stunden vor der Therapie in kaltes, abgekochtes Wasser überführt. Die
Übertragung der Tiere auf die betreffende Stelle wird mittels Holzspatel oder der Hand ausgeführt.
Die Anzahl der verwendeten Blutegel richtet sich nach dem physiologischen Befinden des Patienten, vor allem nach
seinem Gewicht und dem Alter. Krankheit und Ausdehnung des Behandlungsortes spielen ebenfalls eine große Rolle. Die
Blutegel können theoretisch an jeder Stelle des Körpers eingesetzt werden, jedoch sollten Stellen mit mangelnder
Durchblutung ausgespart werden. Ferner sind Handflächen, Brustwarzen, Geschlechtsorgane und offenen Wunden
weitere Ausnahmen. Gegenanzeichen zeigen sich auch bei großvolumigen Venen, da es zu starken Nachblutungen kommen
könnte. Weitere Kontraindikationen sollten vor Therapiebeginn individuell besprochen werden.
Die eigentliche Behandlung bedarf keiner weiteren Schritte. Nach dem aufsetzen saugt jeder Egel für ca. 30
Minuten an der betreffenden Stelle. Danach fällt er ab und löst somit von alleine die bestehende Verbindung. Tritt
dieser Fall nicht ein, was selten vorkommt, kann der Egel vorsichtig mit einem Holzspatel entfernt werden. Nach dem
lösen der Verbindung kommt es zum "nachsickern" aus der entstandenen Wunde was bis zu 12 Stunden andauern kann.
Dies sollte nicht unterbunden werden, da es die Therapie noch unterstützt.
Die Blutegeltherapie ist wissenschaftlich anerkannt. Viele Studien haben deutliche Verbesserungen der
Krankheitsymptomatiken nach erfolgter Therapie gezeigt. Dabei wurden unterschiedliche Erkrankungen erfolgreich
therapiert.
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